OLDENBURG - OLDENBURG - Wer zu früh gekommen war zum Konzert des Oldenburger Kammerchors in der Ansgarikirche, hatte das Glück, den größten Teil der Probe mitverfolgen zu können. Ließ man sich darauf ein, konnte man Sängerinnen und Sänger und ihren Leiter Johannes von Hoff in Zivil bei der Arbeit erleben: beim Testen von Aufstellungsvarianten, beim Proben von Einsätzen und von Akzenten. Lachend und flachsend geht das vonstatten, doch hoch konzentriert. Ein beiläufiges „Sind wir soweit?“ genügt, und jene souveräne Disziplin stellt sich ein, mit der man die schroffsten Klippen lächelnd umschifft – um sich in jene heitere Ausgangsfreundlichkeit zurück zu begeben, die Basis von allem ist.

Gediegene Stimmkultur und artikulatorische Prägnanz, musikalische Intelligenz und solistisches Niveau aller Mitwirkenden münden in einen ausgewogenen, edlen Gesamtklang, der, gepaart mit sensiblem Farbempfinden, Mut zum Ausdruck und unbedingtem Gestaltungswillen die chorischen Qualitäten ausmacht. Dazu kommt, und dies belegte das der Probe nachfolgende Konzert erneut aufs Schönste, die Aura des Kammerchores. Nur ein Chor, der in sich selbst leuchtet, heiter, würdig und glückhaft, kann seinen Zuhörern Licht in solchem überreichem Maße schenken wie er das seit Jahren schon tut.

Diesmal bestand das Geschenk aus einem dreiteiligen Programm. Zunächst entfaltete sich ein Reigen von Minneliedern und Sommer-Madrigalen. Werke auf Schwedisch (von Wikander) und Norwegisch (Grieg) sowie Drei Lieder von Brahms, op. 42, bildeten den zweiten, von nordischer Melancholie und klanglicher Raffinesse dominierten Teil. Eine ebenso sinistre wie surreal-witzige Blake-Vertonung des Komponisten Jens Klimek fesselte durch den Funkenschlag zwischen der vom Hauptchor inszenierten Larmoyanz und den kirren Kommentaren dreier „Engel“. Wer den verführerisch sämig-weichen Klängen von Whitacres „Sleep“ allmählich erlegen war, den weckte im dritten, zeitgenössischen Teil Orbans fulminantes „Daemon irrepit“” sicher auf: metallisch scharf, hart rhythmisiert.

Ein Klassiker, Rheinbergers „Bleib bei uns“, und, natürlich!, Zugaben beschlossen das begeistert aufgenommene Konzert.