OLDENBURG - Tuscheln und Lachen, freundliche Laute im proppevollen Schlosssaal. Das Publikum, vorsommerlich gestimmt und gewandet, jünger als sonst und lockerer, freut sich dem ersten Konzert „seiner“ „neuen“ Kammersinfonie entgegen — „neu“, nachdem Christopher Wasmuth den Dirigierstab von Norbert Ternes übernahm, „neu“ auch nach etlichen Personalwechseln, vor allem im Bereich der Streicher.

Orchesterwerken des 19. Jahrhunderts mit folkloristischen Elementen ist das wohldurchdachte Programm gewidmet, und wie um zu testen, ob man bei einem so netten Publikum wie an diesem Abend auch etwas falsch machen kann, gebärden sich Bartóks „Rumänische Volkstänze“ zum viel beklatschten Auftakt ungefähr so grazil wie Haflinger nach der Tränke bei der Piaffe. Auch Lalós Cellokonzert stellt die Geneigtheit der Gäste auf die Probe, mangelt es doch auch ihm an Leichtigkeit und Schnelligkeit. Die Bläser erschlagen die bisweilen kratzbürstig missgestimmten Streicher, beide zusammen das Cello. Dennoch – Applaus zwischen den Sätzen muntert auf. Anschließend wird die brave Solistin, die 23-jährige Gerke Jürgens aus Oldenburg, gefeiert wie ein kommender Weltstar. Der eine oder andere runzelt die Stirn und liest mit einiger Bange, nach der Pause gebe es Dvoráks Sinfonie Nr. 9, „Aus der Neuen Welt“.

Denn die fordert von den Musikern technisch und interpretatorisch Höchstes. Sauber gewebte, fein schwebende Streicherteppiche sind da vonnöten, den Bläsern das Feld zu bereiten, wenn die sich einschmeicheln oder machtvoll-dramatisch prangen und brausen, dazu eine Homogenität, die das Orchester befähigt, sich behende auf einer weiten Skala dynamischer Differenzierung zu bewegen; wahrlich keine leichte Aufgabe also für ein nicht-professionelles Orchester.

Doch siehe da: Der Konzert-Gemeinplatz „Neue Leiter tönen gut“ bewahrheitete sich gerade hier aufs Schönste. Der neue Leiter nämlich nahm sich dieser Aufgabe besonders beherzt an. Wasmuths Wagemut und sein zupackendes Dirigat mit eleganter, beredter Gestik führten die Kammersinfonie auf überraschende Höhen. Ein beschwingtes, fast schon forsches Grundtempo, klare rhythmische Strukturen, ein vielfarbig oszillierender Klang mit entrückenden Blechbläserakkorden und suggestiven Flötentönen vor (meist) durchsichtigem Streichergespinst machte diesen Dvorák zu einem Hörerlebnis, das Lust auf mehr bereitete. Langer Applaus dankte den Ausführenden, eine Zugabe, der dritte Satz in Kurzfassung, dem nun um so begeisterteren Publikum.