OLDENBURG - Die Theatersaison hat zwar noch gar nicht richtig begonnen. Aber Oldenburg hat schon jetzt sein Orchester wieder, und „Vorhang auf!“, das traditionelle Sonderkonzert zum Spielzeit-Auftakt, bescherte bereits ein volles Großes Haus.
Für Generalintendant Markus Müller, der diesmal sieben Opern-Neuproduktionen ankündigte, war es bereits das vierte Mal, aus diesem Anlass als animierender Moderator auf der Bühne zu stehen. Für Thomas Dorsch, den neuen Musikalischen Oberleiter des Staatstheaters, war es die erste Gelegenheit, seine musikalische Visitenkarte auch öffentlich abzugeben.
Drei weitere Dirigenten – Thomas Bönisch, Jason Weaver und Olaf Wiegmann – trugen zum Vorgeschmack einer farbigen, abwechslungsreichen, gar experimentierfreudigen Opernspielzeit bei.
Kostproben aus Mozarts „Don Giovanni“, von Dorsch mit viel Umsicht geleitet (nur ein Duett-Rezitativ geriet etwas zaghaft und schleppend), lieferten Mareke Freudenberg, Paul Brady und, als Leporello, der neue Spielbass Derrick Ballard, der in Stimme und Ausstrahlungskraft spontan für sich einnahm. Ähnlich eindrucksvoll war Ballard als Mephisto in Gounods „Faust“ (Margarete); Mareke Freudenberg und Daniel Ohlmann gaben den beiden „Titelpartien“, von Thomas Dorsch kundig begleitet, viel gewinnenden Ausdruck.
Unvermittelt danach der Sprung ins Burleske: Sullivans satirische Operette „Die Piraten“, von deren skurriler Komik und Schmiss der Opernchor und eine ganze Phalanx aufgekratzter Solisten (Andreas Lütje, Sarah Papadopoulou, Sharon Starkmann, Derrick Ballard und Henry Kiichli) erste, neugierig machende Eindrücke gaben (Leitung: Jason Weaver).
In Purcells „Lamento der Dido“, Bestandteil der szenisch-musikalischen Neuproduktion „Nachtwache“ (Uraufführung), mit Werken der klagenden Seele aus alter und jüngster Zeit, erwies sich Mareke Freudenberg als eine erstklassige Barocksängerin (Leitung: Olaf Wiegmann).
Hinweise auf zwei Wiederaufnahmen gab es mit dem barocken Opern- und Tanzprojekt „La Fête“ (Henry Kiichli, Paul Brady, Opernchor; Leitung: Thomas Bönisch) und „Madama Butterfly“ (Irina Wischnizkaja).
Thomas Dorsch dirigierte auch im zweiten Programmteil Kostproben zweier Neuproduktionen: Haydns witzige, von Günter Steinke mit neuem Klanggewand ausgestattete Oper „Die Welt auf dem Mond“ (die hier freilich närrische Illusion bleibt), mit den Solisten Daniel Ohlmann, Sarah Papadopoulou und Thomas Burger, sowie Verdis „Troubadour“ (Solo und Chor), der dem Tenor Alexey Kosarev Gelegenheit bot, als Manrico kraftvoll schmetternde Stimmqualität überwältigend zu beweisen. Riesige Ovationen.
