OLDENBURG - OLDENBURG - Manche mögen’s kühl. Treten Schlag acht auf die Bühne, verlieren grade mal drei Worte übers Programm, setzen sich hin und spielen — spielen, scheinbar für sich selbst, das Publikum gar nicht wahrnehmend, mit der Gelassenheit eines Findlings und der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. „Dialoge" war das Konzert in St. Ansgari überschrieben, „Werke für Gitarre und Akkordeon", wo doch keiner mit keinem redete und auch sonst bei keiner interaktiven Regung zu ertappen war. Oder?

In Wahrheit gaben der Gitarrist Jörgen Brilling und der Akkordeonist Uwe Mahnken glänzenden Anschauungsunterricht im Fach Auftritt. Der muss, das vermittelte das Konzert als ihr Credo, bedingungslos dem Werk zu dienen bestimmt sein, frei von allem, was ablenken könnte, Mätzchen wie Virtuosengehabe oder sichtbare Emotionalität inklusive. Der Interpret als Sachwalter des Komponisten: eine Auffassung, die umso frappierender wirkt, je kunstvoller die Interpretation gelingt, je mehr das Werk leuchtet, je besessener der Sache gedient wird.

In dieser Beziehung gab’s viel zu bestaunen. Gut, bei Johann Friedrich Fasch, vielleicht auch bei Cesar Franck, erwartet man ebenjene adlige Akkuratesse, derer Brilling und Mahnken sich fortwährend befleißigten, dieses altvordere Verkosten des einzelnen Tons, auf dass er als purer Ton da sei, nüchtern und unbefleckt. Was aber bei L’Epées „Duo", diesem musikalischen Spaß mit virtuosen Sprengseln? Was bei Piazzollas teils schwelgerisch entfesselter „Histoire du Tango"? Das witzig-spritzig Schräge des einen wie Schwung und Gefühl des anderen teilten sich mit allein durch die Musik selbst. Die war es, die lockte, funkelte, mitriss; die Interpreten indes verzogen selbst dann keine Miene, wenn das Akkordeon sich vor Übermut in gefährlichen Kapriolen überschlug oder die Gitarre edelste Perlen aufreihte am Draht.

Die meisten Zuhörer mochten’s so kühl, spendeten reichlich warmen Applaus und erklatschten sich sogar eine Zugabe. Und das Protokoll vermerkt: „Neun Uhr fünfzehn. Lächeln (angedeutet)."