OLDENBURG - „Mein Liederjahr“ hat es Robert Schumann später selbst genannt. Mehr als die Hälfte seines Kunstlied-Oeuvres entstand 1840, geradezu in die Feder flogen ihm die Melodien in jenem Jahr, in dem das lange Ringen um die Heirat mit Clara, geb. Wieck, ein glückliches Ende fand. Kein Wunder, dass viele dieser Lieder wie klingende Lovestories wirken.
Einige der musikalisierten Schwärmereien (u.a. „Widmung“, „Nussbaum“, „Schöne Wiege meiner Leiden“) waren nun in der Villa Gartenstraße zu hören. Die Sopranistin Ute Beckert stellte dort, im Rahmen der Konzertreihe Brahms-Woche Oldenburg 2009, jedoch nicht nur Gesänge von Robert, sondern auch Lieder von Clara Schumann vor. Und die wirkten nicht minder beeindruckend.
Atmosphärische Dichte
Neben Liszt und Chopin war Clara Schumann die wohl bedeutendste Pianisten-Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts. Als Lehrerin verlieh sie u.a. dem späteren Oldenburger Hofkapellmeister Albert Dietrich den letzten pianistischen Schliff. Da liegt es nahe, dass sie den Klaviersätzen ihrer Lieder einen stark mitgestaltenden, atmosphärisch dichten Charakter verlieh.
In der Gartenstraße wurde dies etwa im „Liebeszauber“ oder der „Lotosblume“ (jeweils aus den „Sechs Liedern“ op. 13) deutlich. Offenkundig war Clara Schumann jedoch auch – dies war etwa im schlicht innigen „Volkslied“ oder dem zarten „Veilchen“ mitzuerleben – eine grandiose Melodikerin, die mit ihren Linien eindrücklich den Gehalt der Text-Vorlagen anzupassen und zu intensivieren verstand.
Ungekünstelter Vortrag
Ute Beckert nutzte die vielgestaltige Liedkunst aus dem Hause Schumann zu charaktervollen Darstellungen der – meist amourösen – Inhalte. Glockenhell und leuchtend klingt Beckerts Sopran und erstrahlt frei und funkelnd, wenn sie ihre Stimme zum Forte öffnet.
Sie gestaltete diese bezaubernde Musik mit ihrem am Klavier mitformenden Begleiter Frank Wasser völlig ungekünstelt mit dezenten Abtönungen, vor allem aber mit den an Wort und Stimmungen angepassten Phrasierungen sowie höchster Textverständlichkeit.
HIngerissenes Publikum
Dem hingerissenen Publikum servierte Ute Beckert zudem äußerst charmant gelesene Auszüge aus dem vorehelichen Briefwechsel des Künstlerpaares Schumann.
Wie am Vortag (NWZ berichtete) lieferte auch an diesem Abend der russische Pianist Vadim Andreev das Kontrastprogramm mit seinen pianistisch hochklassigen Jazzimprovisationen zu klassischen und populären Themen.
