Oldenburg - Ein Hauch vom New Yorker Broadway durchwehte am Samstagabend das Kleine Haus des Oldenburgischen Staatstheaters und begeisterte das Publikum.

Die fünf Gesangssolisten und Pianist Carlos Vázquez wurden erst nach der dritten Zugabe in den verdienten Feierabend entlassen. Das gut zweistündige, abwechslungsreiche Programm gab facettenreiche Einblicke in die Geschichte des Broadway Musicals. Spannendes, Aufschlussreiches war zu entdecken.

Wiener Operetten und Berliner Kabaretts wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunächst am Broadway aufgeführt, bevor sich eine eigene, vom Ragtime und Jazz beeinflusste kompositorische Tradition entwickelte.

Diese führte bis zur Blütezeit des Musicals ab der Mitte des 20. Jahrhunderts, welche bis heute musikalische Maßstäbe setzt.

Dabei zeigte sich, dass nicht nur große Gefühle oder gesellige Kapriolen besungen wurden, sondern auch gesellschaftskritische Themen oder ethnische Konflikte.

Der kontrastreiche, kurzweilige bunte Reigen der 25 Titel des Liederabends zeigte diese Entwicklung, und es gab einige sängerische Highlights zu bewundern. Dabei bereitete es den glänzend disponierten Solistinnen und Solisten des Staatstheaters – Martyna Cymerman, Sopran; Melanie Lang, Mezzosopran; Philipp Kapeller, Tenor; Paul Brady, Bariton; Tomasz Wija, Bass-Bariton – großes Vergnügen, die Songs mit überzeugender stimmlicher Präsenz und mimischen sowie schauspielerischen Einlagen zu gestalten.

Kurt Weills „Seeräuber-Jenny“ wurde zu einer beeindruckenden Szene mit starken emotionalen Kontrasten, Leonard Bernsteins „I feel pretty“ zu einer anrührenden Tanzszene. Titel wie das inbrünstig gesungene „Maria“ oder auch „Over the rainbow“, sowie Cole Porters „Night and day“ luden fast zum Mitsingen ein.

Dramaturgisch weniger überzeugend war, dass einige Beiträge mit Mikrofon und leichtem Nachhall gesungen wurden. Dabei litt die klangliche Balance zum Flügel und zu den rein akustisch gesungenen Beiträgen.

Annabelle Köhler moderierte das Programm mit von Christina Schmidl gründlich recherchierten und geschickt ausgewählten Hintergrundinformationen.

Einen entscheidenden Anteil am Gelingen des Abends hatte Pianist Carlos Vázquez. Sein Klavierspiel ersetzte Kammerorchester und Band. Er spielte mit Leichtigkeit, rhythmisch beschwingt und klanglich ausgewogen. Auch nach zwei Stunden ohne Pause gelang ihm selbst noch der teils recht virtuose Klavierpart bei Jeanine Tesoris „What do I need with love“ eindrucksvoll.