OLDENBURG - „Ich habe die ganze Weltliteratur bis zur Bibel durchsucht, um das erlösende Wort zu finden. Denn es steht geschrieben: , Am Anfang war das Wort. Nach Tod und Untergang soll es nun auch am Ende meines Werkes stehen. Denn die Offenbarung der Ewigkeit behält den Sieg.“
Mahlers Worte zu seiner „Zweiten“, der „Auferstehungssinfonie“ zeigen, warum dieses Werk, das soviel von Apokalypse und Mystizismus, von Inferno, Trauer und trotzigem Trost erzählt, die Kategorien sogenannter Programm-Musik übersteigt. „Programme“ zu diesem Werk, auch von Mahler selbst, bleiben umstritten.
Explosive Dramatik
Freilich – was dieser sinfonische Riesenbau an Kontrasten und Bildern bereithält, beschwört neben Sehnsucht auch eine auseinanderbrechende Welt: Harte und scharfe Klänge, lärmendes Dröhnen des Schlagzeugs markieren einen erbitterten Kampf der „Perspektiven“.
Die Kooperation des Staatstheaters Oldenburg mit dem Bielefelder Theater hat eine angemessen besetzte Aufführung ermöglicht: Bielefelder Philharmoniker (mehrheitlich), Musiker des Oldenburgischen Staatsorchesters, die vereinigten Opernchöre musizierten unter der Leitung des Bielefelder GMD Alexander Kalajdzic.
Sieht man von kleinen Koordinationsproblemen, von gelegentlich überdeckendem Bläsersatz ab, so war diese Aufführung ein beeindruckendes Dokument dirigentischer Überlegenheit und orchestraler Kultur. Da werden Extrempositionen im Bereich der Vortragsanweisungen ausgelotet, werden Verzweiflungsschreie und grelle Groteske, Erinnerungen an irdische Freuden und Ländler-Idylle erlebbar gemacht, werden bedeutungsvoll aufgeladenes Melos, explosive Dramatik und monumentales Pathos zur Sprache gebracht.
Glänzende Chöre
Kalajdzic sieht, von Ausnahmen abgesehen, auf Transparenz des oft komplexen polyphonen Gefüges, gibt einzelnen Stimmen und Rhythmen Dynamik, Farbe und jene beseelte Intensität, die etwas „besagt“. Biegsame Tempi, der Blick für Binnenspannung und großformalen Zusammenhang zeugen von souveräner Dispositionskunst des Dirigenten, seiner Fähigkeit, den Apparat des vereinigten Riesenorchesters zu steuern und nachhaltig wirksam zu formen. Dass kulminierende Tutti-Akkorde vereinzelt nicht restlos „ausgehört“ waren, nahm man da klaglos in Kauf.
Iris Kupke (Sopran) und Zdravka Ambric (Alt), Gesangssolisten im 4. und 5. Satz, fügten sich – stimmlich nobel – dem Gesamteindruck vorteilhaft ein, ebenso die glänzend vorbereiteten Opernchöre im grandiosen Finale. Die Texte aus „Des Knaben Wunderhorn“ (4. Satz: „Urlicht“), von Klopstock und Mahler (5. Satz) schienen bedeutungsvoll überhöht und singend geadelt. Ovationen.
