OLDENBURG - OLDENBURG - Schon in ihrem Gründungskonzert im vergangenen Jahr konnte die Oldenburger Kammersinfonie überzeugen. Nun stellte sich das Orchester erneut der Öffentlichkeit: In der Universität präsentierten die ambitionierten, von Norbert Ternes dirigierten Musiker ein Programm, dessen Schwerpunkt auf Musik der Romantik lag.
Die Ausnahme stellte dabei die Ouvertüre zu Christoph Willibald Glucks erstmals 1774 aufgeführter Oper „Iphigenie in Aulis“ dar. Die Kammersinfoniker wurden den technischen Anforderungen des Werkes voll gerecht und konnten inzwischen ihre Qualitäten in Zusammenspiel, Streicherklang und Bläserintonation noch ohrenfällig steigern. Gluck, der große Neuerer und Wegbereiter der Wiener Klassik, nimmt schon in der Ouvertüre die schmerzliche Gefühlswelt seiner Oper vorweg. Zur vollkommenen Darstellung dieser Dramatik fehlten hier nur etwas Kontrast und Mittelstimmen-Lebendigkeit.
Solch Mangel war in Johannes Brahms‘ Klavierkonzert Nr. 1 nicht zu hören. Schon die lange Einleitung wurde transparent und voller Ausdrucksgegensätze durchgezeichnet. Ternes‘ Musiker spielten dabei trotz des betont ruhigen Tempos keineswegs schwerfällig und wurden ihrer bedeutenden Rolle in diesem sinfonisch angelegten Werk voll gerecht. Solist war der an der Oldenburger Musikschule lehrende, pianistisch und musikalisch blendende Heinz Gassenmeier. Er näherte sich dem Werk mit lyrischer Tastenkultur und überzeugte mit agogischer und dynamischer Feingestaltung. Zum Höhepunkt wurde dabei das innig zarte Adagio, das Gassenmeier höchst poetisch, mit langem Phrasierungsatem und großer Farbigkeit musizierte.
Zum Schluss richtete sich der Blick auf russische Musik, und hier war die Kammersinfonie hörbar in ihrem Element. Alexander Borodins „Polowetzer Tänze“ kamen klangopulent und mit viel Sinn für das Musikantische in diesen Klängen daher. Glänzend dabei die Intonationskultur der Holzbläser und die dynamische Ausgewogenheit des Orchesters. Und in Tschaikowskys „Capriccio Italien“ überzeugten die Kammersinfoniker schon zu Beginn mit strahlenden Blechbläsern und glutvoller Streicher-Leidenschaft. Im Finale brannten sie schließlich ein wahres Orchesterfeuerwerk ab.
