OLDENBURG - Erst einmal setzt Robin Davis eine Unschuldsmiene auf. Dass „es Variationen über seine Nationalhymne“ gebe, dafür könne er als Engländer nichts. Der Korrepetitor am Staatstheater hat als neuer Dirigent des Jugendorchesters Oldenburg (JOO) das von seinem Vorgänger Thomas Dorsch konzipierte Programm übernommen.

Dann hebt Davis den Taktstock. Es wird klar: Der Brite hat es faustdick hinter den Ohren. Er trifft nicht nur den Nerv der Musik, sondern in der richtigen Höhe Enthusiasmus und Arbeitswillen des Vorzeige-Orchesters der städtischen Musikschule. Dorsch hatte sein Engagement wegen Terminzwängen abbrechen müssen. Doch zwischen Charles Ives, Philip Glass, George Gershwin und Jazz-Songs zeigt sich: Nachfolger Davis und das Jugendorchester, das passt auf Anhieb!

Was Dorsch seinen Schützlingen zugetraut hat, wird beim sinfonischen Bild aus Gershwins „Porgy and Bess“ offenkundig. Das wirft auch ein Profiorchester nicht lässig hin. Aber was die 52 jungen Leute mit ihrer Konzertmeisterin Lena Bröning (14) an Empfindungskraft, jazzigem Drive und rhythmischem Raffinement entwickeln, erntet im voll besetzten Kleinen Haus höchsten Respekt.

Glänzend auch das Ineinandergreifen mit den Sängern Angela Bic und Paul Brady in den Jazz-Songs von „Send in the Clowns“ bis zu „Maria“. Der Bariton schmeißt sich in bester Entertainer-Manier an die Musik heran, die Sopranistin lebt sie innig. In Streicher-Besetzung entwickelt „Company Nr. 2“ von Glass jenen drängenden Zug, der Minimal-Music vor gleichgültigem Wohlgefallen bewahrt. Ovationen erntet das „Nufoxas-Quartett“ mit seinem Miller-Gershwin-Verschnitt für vier Saxofone: Ricus Husmann, Luca Uhrlau, Semjon Janauschek und Henning Kunze.

Bleibt „God save the Queen“. Das Thema war vor 1916 als „America“ oder „My Country“ halboffizielle US-Hymne. Der 18-jährige Ives hat sich 1891 mit „Variations on America“ auf der Orgel Scherze mit Tänzen, bitonal verzerrenden Partien und Verballhornungen erlaubt. William Schumans Orchesterfassung leidet unter instrumentaler Überfrachtung. In diesem Klangbrei bleibt auch das Orchester ein bisschen kleben. Aber ein vollkommen perfektes Konzert mit dem jüngsten JOO seit Jahren? Da würde wohl etwas nicht stimmen.