OLDENBURG - Ein Schlagzeuger als Solist: das gab es erst dieser Tage in Wilhelmshaven. Jetzt hat es sich, unter anderen Umständen, in Oldenburg wiederholt, und man darf sagen: Das moderne Musikleben hat nicht nur den Schlagzeuger als Solisten entdeckt, sondern als emanzipierten Künstler und Komponisten, der die Möglichkeiten des Schlagwerks, seine fast grenzenlosen Klang- und Kombinationsmöglichkeiten mit dem Orchester wie ein Abenteurer erkundet.

Johannes Fischer (28), Solist im 7. Sinfoniekonzert des Oldenburgischen Staatsorchesters, ist ein solcher Künstler. „Traumspur“, seine Musik für Schlagzeug und Orchester (2009), eröffnet dem Schlagwerk-Instrumentarium Klang- und Geräuschdimen- sionen von trivial bis magisch-artifiziell. Fischer mobilisiert und verschränkt mit Hilfe von Klanggestalt und Zitat (Schumann) die Ebenen von Raum und Zeit („Traum“ ist da wohl etwas hoch gegriffen), er hantiert virtuos – und wechselnd mit dem Orchester – mit Klang-Ligaturen, Geräuschbändern, Floskeln, Glissandi, erzeugt filigrane Gewebe, zitiert fernen Gesang, platziert den Knalleffekt neben Augenblicken meditativer Versenkung.

Aber bei allem raffiniert Ausgeklügeltem, das selbst das Kugel-Reflex-Spiel mit einbezieht, erreicht Fischer eines nicht: den Eindruck eines bündigen, nicht nur beliebig wirkenden Werks.

War hier der Gastdirigent Martin Kerschbaum zumeist auf die Rolle des Zeichengebers und Koordinators beschränkt,, so ließ Haydns Sinfonie „mit dem Paukenwirbel“ schon eher dirigentische Qualitäten erkennen. Kerschbaum nahm das Werk kräftig und klar im Klang, griffig in den Konturen, formbewusst und mit musikantischem Schwung. Von spirituellem Farbglanz und Eleganz der Diktion war da weniger zu vernehmen.

Hindemiths „Sinfonische Metamorphosen über Themen von Carl Maria von Weber“, das großorchestrale, von souveräner Kunst der Themenverwandlung und -anverwandlung, der thematischen Arbeit, exotischer Farbe (im 2. Satz) und klassizistischer Kontrapunktik, im Finale von derb-musikantischem Optimismus zeugende Werk, setzte den Schlusspunkt. Allerhand technischer Feinschliff, formale Prägnanz und Dispositionskunst war da investiert. Etwas flüssiger hätte einiges ausfallen können, dynamisch differenzierter wohl auch.

Das Konzert wird am Montag und Dienstag, 19.30 Uhr, wiederholt. Karten: 0441/222 5 111.