OLDENBURG - Der scheue Johannes Brahms soll ihnen später eher aus dem Weg gegangen sein, den bürgerlichen Salonkonzerten seiner Zeit. Sein enger Freund Joseph Joachim dagegen schätzte sie umso mehr – der Star-Geiger, der auch als Lehrer und Förderer aktiv war, veranstaltete selbst solche häuslichen Soireen gern, um talentierte Nachwuchsmusiker in der Öffentlichkeit einzuführen.
Ähnlich wie einst im Berliner Haus Joachims gab es auch bei der Eröffnung der „Brahms Woche 2009“ hochbegabte Nachwuchsmusiker zu hören, die erst am Anfang der Karriere stehen. Und auch der Rahmen passte zur Salon-Atmosphäre der alten Zeit: Im äußerst stilvollen Gründerzeit-Ambiente der Villa Gartenstraße traf sich ein kleines, aber interessiertes Publikum, um den von Elena Nogaeva moderierten Darbietungen zu lauschen.
Die programmatische Vielfalt war dabei – ebenfalls salontypisch – hoch. Etwa mit der Sopranistin Marina Zyatkova, die – wie andere Interpreten an diesem Abend auch – bereits Preisträgerin des Oldenburger „Int. Musikwettbewerbs für die Jugend“ war und nun Opernarien von Mozart, Donizetti und Rimsky-Korsakow darbot. Dabei ließ sie eine klare und hell tönende, dazu beeindruckend voluminöse Stimme hören, mit der sie die Arien differenziert auskonturierte. Begleitet wurde sie äußerst feinfühlig von der erst 21-jährigen, ebenfalls aus Russland stammenden Pianistin Sofia Vasheruk. Ganz andere Klänge gab es dagegen von der Berliner Harfenistin Ronith Mues zu hören. Sie beschäftigte sich zunächst mit einigen Bearbeitungen, um dann mit der „Legende“ der französischen Harfen-Komponistin Henriette Renie zu begeistern. Spieltechnisch wie musikalisch glänzend ließ Mues darin eine rhapsodisch impressionistische Klangwelt aus Arpeggien, geschwinden Läufen und reizvoller Melodik entstehen.
Mit wunderbar weichem Ton präsentierte sich schließlich der armenische Saxofonist Koryun Asatryan mit dem erstklassigen baskischen Akkordeonisten Enrique Ugarte. Das Duo servierte eine prickelnde Melange aus argentinischem Tango und europäischen Kunstmusik-Adaptionen (Piazzolla, Lauba, Milhaud u.a.), kombinierte dabei musikantische Spielfreude mit immenser Virtuosität und kredenzte dies noch mit erheblichem Charme und humorvoller Leichtigkeit. Das Publikum dankte schließlich auch ihnen mit großen Ovationen.
