OLDENBURG - Die große Kirchenorgel war schon zu Bachs Zeiten ein Instrument einzelgängerischer Virtuosen. Nur in den Kontext der Kirchenmusik gehörig. Und natürlich viel zu dominant, um mit anderen zu spielen? Alles Unsinn, jedenfalls bei Johannes von Hoff.

„Orgel und...“ heißt die Konzertreihe, in der der Ansgari-Kantor die Ensemblefähigkeit „seiner“ Orgel in oft ungewöhnlicher Weise unter Beweis stellt. In diesem Jahr sind es Bläser, die in drei Konzerten mit dem großen Instrument eine klingende Symbiose eingehen. Den Auftakt machte das Ensemble „Saxofonquadrat“, das von Sopransaxofon (Clemens Hoffmann) über Alt- (Clemens Arndt) und Tenor- (Christian Raake) bis hin zum Baritonsaxofon (Hinrich Beermann) eine weite Spanne abdeckt. Die Berliner Musiker stehen nicht nur für technisch wie klanglich erstklassiges Spiel, sondern lassen sich stilistisch in keine Schublade stecken. In St. Ansgari präsentierten sie allein oder gemeinsam mit der Orgel effektvoll ihre Wandlungsfähigkeit und stellten etwa Musik von Michael Nyman oder Martin Read neben jazzinspirierte Stücke des Tenorsaxofonisten Raake. Von Hoff garnierte dies mit „Deux danses“ des französischen Orgelkomponisten Jehan Alain.

In Frankreich schrieb auch Cesar Franck seine „Sept piéces en re majeur et re mineur“. Eigentlich nur für Orgel, haben die Bläser im Arrangement großen Anteil an den melodischen und harmonischen Entwicklungen und mischen sich mit der Orgel zu einem opulenten und ästhetischen Klangbild. Wie sehr sich Orgel und Saxofone ergänzen, war auch in Messiaens „Apparition de l’Eglise éternelle“ zu hören. Messiaens klanggewordene Idee der ewigen Kirche wurde zu einem Spiel der Farben und der dynamischen Entwicklung, das geradezu emotionalisierend wirkte. Dann ging es zurück in andere Musikwelten: Dem exzentrischen Jazzer Charles Mingus hätte die Version seines „Canon“, bei dem die Saxofonisten durch die Kirche eilten und ihre Klanggebilde von überall her erschallen ließen, sicher gefallen. Die griechisch inspirierte „Suite Hellenique“ des spanischen Saxofonisten Pedro Iturralde kam melodiös, einfallsreich und mitreißend musiziert daher.