OLDENBURG - Anscheinend waren sie begeisterte Touristen, die Elgars, und Bayern war ein Lieblingsziel für ihre Urlaube. Von 1893 bis 1895 verbrachten Edward Elgar und seine Frau Alice die Sommerfrische in den bayrischen Bergen. Wie inspirierend dies für beide gewesen sein muss, war jetzt in St. Ansgari zu hören. Denn dort ließen der Oldenburger Kammerchor und Pianist Christoph Keller Edward Elgars „From the Bavarian Highlands“ op. 27 erklingen – einen Zyklus von Chorliedern, in denen der Komponist seine Urlaubseindrücke verarbeitete. Alice Elgar, eine begabte Literatin, hatte ihm die Textvorlagen geliefert.

Das Gemeinschaftswerk der Eheleute Elgar zeugt in sechs Episoden von offenkundig höchst erfreulichen Erinnerungen an Land und Leute und steht in einer Reihe mit vielen anderen alpinen Naturvertonungen dieser Zeit. Der Kammerchor nahm sich den vom Klavier begleiteten Genrebildern hingebungsvoll an. Wandlungsfähig und einfühlsam zeichneten die knapp dreißig Sänger dieses erstklassigen Chores Elgars Stimmungsbilder nach, die vom humoresk schwunghaften Tanz über naive Liebeslyrik hin zum pastoralen Naturgemälde reichen.

Zuvor jedoch hatten die Oldenburger Musiker in diesem Konzert mit romantischen Chorliedern schon einen anderen Zyklus erklingen lassen – der jedoch ist wesentlich bekannter: Johannes Brahms’ „Zigeunerlieder“ op. 103. Den bedeutenden, im Ausdruck so gehaltvollen wie kontrastreichen elf Liedern begegnete der von Ansgari-Kantor Johannes von Hoff souverän angeleitete Kammerchor souverän und punktgenau. Stimmlich variabel und äußerst ästhetisch bildeten die Sänger gerade durch die präzise sprachliche Gestaltung markante Zusammenhänge und charismatischen Ausdruck. Glänzend dabei auch die dynamische Balance, weil Christoph Keller dezent und geschickt mit dem vollgriffigen Klavierpart der Lieder umging.

Auch allein widmete sich Christoph Keller der Musik von Johannes Brahms. Bezaubernd weich und voller geschmackvoller Dezenz gestaltete er dessen ganz spätes „Intermezzo“ op. 118 Nr. 2. Passend zur Stimmung an diesem lauen Abend Edvard Griegs „An den Frühling“ aus op. 43 für Klavier und, als chorisches Gegenstück, das Frühlingslied „Vårnatt“ des schwedischen Nachromantikers Wilhelm Stenhammar – klangschöne Abrundungen in pastellenen Frühlingsfarben, vom Publikum mit großem Applaus aufgenommen.