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Konzert Zwischen Ordnung und Improvisation

Horst Hollmann

Oldenburg - Leser einschlägiger Comics wissen: „Dem Inschinör ist nichts zu schwör!“ Als Prototyp des ingeniösen Erfinders gilt Daniel Düsentrieb. Raumfähre? Sich selbst kochendes Essen? Musikinstrumente? Wo liegt das Problem? Gut, dass auch das Musik-Ensemble „Blue Screen“ seinen genialen Ingenieur hat. Thomas Bisitz heißt der. Der Physiker und Musiker baut den Musikern Instrumente mit elektronischer Klangerzeugung. Mit denen und herkömmlichen Instrumenten bereiten sie einer Hörerschar im voll besetzten Schlosssaal einen ebenso ungewöhnlichen wie gewöhnlichen Abend.

Behinderung unwichtig

Ungewöhnlich ist die Zusammensetzung des Ensembles. „Blue Screen“ führt unter dem Dach des Ateliers Blauschimmel und unter Leitung des Musikpädagogen Jochen Fried Spieler mit Behinderung und ohne zusammen, Laien wie Profis. Völlig gewöhnlich finden sie ihren Umgang miteinander. „Menschen sind wichtig, Behinderungen sind nicht wichtig, Musik machen wir zusammen“, so das Leitmotiv. Für das Projekt „Begegnungen“ hat die Geigerin Ulla Levens, studierte Informatikerin und Musikpädagogin an der Uni Oldenburg, ein Zusammentreffen mit der auf gleichen Grundlagen bauenden Hamburger Gruppe „Ton Art“ arrangiert. Da musizieren 26 Leute unter dem Titel „Meet the Blue“ gemeinsam.

Die Expedition baut bei Mitwirkenden und Hörern auf Offenheit für Klänge jenseits des vertrauten Harmonierahmens. Da spielen die Kreationen von Bisitz ihre Rolle. Vorbild ist das Theremin, das mit dirigierenden Bewegungen ohne Berührung gesteuert und gespielt wird, eine elektronische Weiterentwicklung der Singenden Säge. Der Klang ist arm an Obertönen, er wirkt weich und bei den Glissandi nett jaulig. Ähnlich funktioniert die Dudel-Box Marke Eigenbau. Sie reagiert auf Schwenk-Bewegungen.

Fetzig und jazzig

Die Kompositionen, die sich zwischen breitem Fließen, Verharren auf Inseln und einem Wechselspiel aus Struktur und Improvisation, Ordnung und Auflösung fortbewegen, frappieren und begeistern. Programmierer Jörg Scheel verdichtet die Stimmungen fantasievoll mit farbigen Projektionen. Fetzig jazzig wird es mit überblasener Klarinette und aufschreckender Naturtrompete. Bis zu einem rhythmisch mitreißenden Ostinato aller sind 90 Minuten im Fluge vergangen – mit einer Musik, die sich umstandslos selbst erklärt, in der sich aus Bewegungen Klänge formen und die mit ihrer feinen Ästhetik direkt packt.

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