Oldenburg - Den Triangel, diesen hintergründigen Winzling, ein großes Musikinstrument zu nennen, wäre wohl verwegen. Doch hallo! Was schwingt sich denn so elektrisierend mit silbrigen Trillerketten selbst über all das Orchester-Getöse zum Anfang im „Krieg der Sterne“ hinweg? Eben!
Das Festival „Der Norden trommelt“ ist gerade zu Ende gegangen, aufgeteilt in neun kleine Feste für Trommel-Ansammlungen, Gongs, Marimbas, Tamtams, Ratschen, Schlagzeug-Batterien, ja, auch Triangeln und am Ende im „Wilhelm 13“ Rahmentrommeln. Sechs Wochen haben Amateure und Profis das 20-jährige Bestehen von Schlagwerk Nordwest gefeiert. Der unbestrittene Schlagzeug-Nordmeister Axel Fries hatte dieses nachhaltige Vorzeige-Projekt 1999 ins Leben gerufenen und es stets mit frischen Ideen angereichert. Festival-Projektleiter Michael Hagemeister registrierte 900 Besucher und sagte: „Mit den Finanzen und mit dem Schwung des Publikums liegen wir voll im grünen Bereich.“
Was war einer der auffälligsten Beiträge? Unschwer zu erraten: „How to play the triangle“ in der Carl-von-Ossietzky-Universität. Die Besucher durften bei diesem Gastbeitrag der Uni Groningen alle mitklingeln und ansonsten über speziell gefertigte „Monster-Triangeln“ staunen, sozusagen Kontrabass-Triangeln.
Musikalisch hochwertig setzten sich etwa die Schwestern Jessica und Vanessa Porter als Percussion-Duo im Theater Hof/19 in Szene, sowie fast pflichtgemäß die Hamburger Elbtonal Percussion am gleichen Ort. Der Galaabend im Großen Haus des Staatstheaters wies Oldenburgs hohen Rang in der Percussion-Pädagogik und -Praxis nach. Da rückten zum einen die Jugendlichen und Studierenden augenfällig nach vorn. Zum anderen bestach dort auch das grandiose Zusammenspiel der Oldenburger Szene-Profis mit überraschenden Kombinationen.
Am Finalabend genießen Murat Coskun, Tochter Malika und Sohn Yasar im „Wilhelm 13“ Prominenten-Status. Zwischen hellem „Tack“ und dunklem „Dum“ auf den knackig resonierenden Rahmentrommeln gehen den Hörern die Ohren über. Ein 7/8-Rhythmus regt die Fantasien an, weil er „unruhig wie das Zappeln gefangener Fische im Schwarzen Meer“ wirkt. Murat scheint in einem großen Solo ein Dutzend Instrumente zu mixen. Und mit Oberton-Gesang schafft er eine faszinierende exotische Stimmung.
Bei gemeinsamen Improvisationen seiner Schlagwerk-Talente mit den Gästen sieht Fries das Grundgesetz des Schlagwerk-Projektes voll bestätigt: „Die Kernidee besteht darin, junge Leute und Profis unkompliziert miteinander spielen zu lassen.“
Getrost kann Axel Fries auch für 2020 ein Festival ankündigen. Darauf keinen Tusch, sondern stilgerecht schon mal einen frechen Triangel-Triller!
