Oldenburg - Der Weltraum, unendliche Weiten. Daran hat sich auch in der neuen Serie aus dem „Raumschiff Enterprise“-Universum nichts geändert. „Star Trek: Discovery“ unterscheidet sich allerdings sonst enorm von allen Vorgängerserien aus der Welt von Kapitän Kirk. Und das ist Fluch und Segen zugleich.

In „Star Trek: Discovery“ hat der Zeitgeist so stark wie noch nie seine durchaus positiven Spuren hinterlassen. Diversität und die Chancengleichheit der Geschlechter sind Trumpf an Bord des neuen Föderationsraumschiffes. Frauen haben in der Sternenflotte vielerorts das Kommando, Männer dürfen schwul sein, und je bunter die Herkunft der Crew ist, umso besser.

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„Political Correctness“ hat eine lange Tradition in der utopisch-schönen Sternenflotte. Das ist lobenswert, wirkt aber bei „Discovery“ in so manchem Moment sehr berechnend und aufgesetzt. Wenn selbst der klingonische Bösewicht Voq aufgrund seiner Hautfarbe ein Außenseiter ist, dann möchte man die Drehbuchautoren zwingen, eine große Portion Gagh zu verschlingen.

Die Handlung von „Star Trek: Discovery“ beschreitet viele neue Wege. Statt eines großen Ensembles mit gleichberechtigten Charakteren steht in der neuen Serie, die zehn Jahre vor dem „Raumschiff Enterprise“ spielt, das Schicksal der Sternenflottenoffizierin Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) im Mittelpunkt.

Sonequa Martin-Green als  Michael Burnham (Foto: CBS/Netflix)

Sonequa Martin-Green als Michael Burnham (Foto: CBS/Netflix)

Eigentlich war das menschliche Adoptivkind des vulkanischen Botschafters Sarek (auch bekannt als Vater von Spock) für eine steile Karriere in der Sternenflotte vorgesehen – doch dann fällt Burnham als Meuterin in Ungnade. Erschwerend kommt hinzu, dass die Allgemeinheit sie auch noch für den neuen Krieg mit den Klingonen verantwortlich hält. Der Ruf ist ruiniert, der Gefängnisplanet wartet.

Doch statt im Sternenknast landet Burnham aufgrund einer Shuttlepanne auf dem Föderationsschiff „Discovery“, dass nicht nur über einen supergeheimen Mikropilz-Antrieb (!) verfügt, sondern auf dem auch ein sehr kriegerischer Kapitän das Kommando hat.

Kapitän Gabriel Lorca (Jason Isaacs) sieht sich und sein Schiff als Speerspitze im Krieg gegen die Klingonen – und trifft dementsprechend auch rücksichtslos seine Entscheidungen. Alleingänge sind seine Sache. Burnham passt da perfekt ins Konzept. Lorca nimmt sie als Crewmitglied auf. Spannungen innerhalb der Mannschaft sind die Folge. Das menschliche Drama in „Star Trek: Discovery“ ist programmiert.

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„Star Trek: Discovery“ verfolgt hauptsächlich zwei Handlungsstränge. Hauptaugenmerk liegt dabei natürlich auf dem Schicksal von Michael Burnham, aber auch das Treiben des bereits erwähnten klingonischen Bösewichts Voq erfährt besondere Aufmerksamkeit. Das erhöht den „Binge“-Faktor, lässt aber wenig Raum für episodenfüllende Geschichten vom Rest der Crew.

Die Drehbücher folgen altbekannten Handlungsmustern, und auch schauspielerisch ist die Serie keine Offenbarung. Lediglich Anthony Rapp als arroganter Wissenschaftsoffizier Stamets und Doug Jones als zögerlicher Saru liegen über dem klassischen TV-Niveau.

Bei den Effekten wurde hingegen nicht gespart. Diese sind alles andere als gewöhnlich. Eine Folge „Star Trek: Discovery“ soll bis zu 8,5 Millionen US-Dollar kosten – und den Weltraumszenen sieht man dies durchaus an. Beim schlechten Make-up der Vulkanier sollten die Produzenten allerdings das Budget leicht erhöhen.

„Star Trek: Discovery“ ist noch nicht auf dem richtigen Kurs durchs Enterprise-Universum. Das ist jedoch keine Überraschung, denn eigentlich haben alle „Star Trek“-Serien anfänglich ihre Mängel gehabt. Und meist sind diese im Laufe weiterer Staffeln besser geworden.

Dementsprechend ist die Nachricht, dass der US-Sender CBS eine zweite Staffel in Auftrag gegeben hat, eine gute.

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