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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Eheanbahnung auf iranische Art

02.10.2018

Oldenburg Wann ist der Übergang vom orientalischen Kulturkreis in den westeuropäischen gelungen? Wenn alle Sprachprobleme beseitigt sind oder wenn die Hektik vor der Supermarktkasse ertragbar ist? Wenn er nachts von Fehlern bei der Arbeit träumt oder wenn sie die Angst überwindet und im Bikini ins Hallenbad geht? Oder wenn die Ehe von zwei Menschen im fremden Land in die Brüche geht?

Wahrscheinlich alles oder auch etwas ganz anderes, findet die deutsch-iranische Regisseurin Susan Gordanshekan und hat mit ihrem ersten Langfilm „Die defekte Katze“, der in dieser Woche in die Kinos kommt, diesem Kultur-Zusammenstoß ein wunderbares Denkmal gesetzt. Dabei geht es ihr vordergründig gar nicht um das Problem der Migration als solches. Gordanshekan erzählt vielmehr eine Liebesgeschichte in umgekehrter Abfolge.

Regisseurin in Oldenburg

Der Film „Die defekte Katze“ ist der erste Langfilm (92 Minuten) der Regisseurin Susan Gordanshekan (39). Er wurde bisher auf Festivals unter anderem in Berlin, Ludwigshafen und Shanghai gezeigt und kommt am Donnerstag, 4. Oktober, in die deutschen Kinos. In Oldenburg läuft das Drama um eine arrangierte Ehe im Cine K der Kulturetage. Da ist die Regisseurin am 6. Oktober in der Vorstellung ab 20 Uhr zu Gast.

Infos: www.cine-k. de

Im Mittelpunkt steht die 31-jährige Iranerin Mina, die in Teheran einen geeigneten Lebenspartner sucht („intelligent und mit Humor“), sich mangels geeigneter Kandidaten aber der traditionellen iranischen Eheanbahnung (die Eltern sprechen das wichtigste Wort) unterwirft. Landsmann Kian (34), der als Anästhesist in München arbeitet, wählt die gleiche Kennenlern-Methode – mit Erfolg. Man trifft sich, heiratet, und Mina zieht zu ihrem Mann nach Bayern. Die Hürden, die dieses ohnehin komplizierte Arrangement für das Paar bereithält, vervielfachen sich – zumindest für Mina – durch den Umzug. Im Gegensatz zu Kian ist sie der deutschen Sprache kaum mächtig, soziale Kontakte sind unvollkommen und selten, die junge Frau fühlt sich in ihrer neuen Heimat einsam. Einzig eine Katze sorgt für etwas Leben in der Etagenwohnung.

Dumm nur, dass die mit einem Gendefekt geborene Katze nicht stubenrein ist und Kian diese Art Tiere sowieso hasst. Die Katze wird so zum Katalysator für das Scheitern einer Ehe, in der sich die Partner zwar redlich um eine harmonische Beziehung bemühen, die aber von vornherein so defekt war wie die Katze es ist. Erst als das Ende greifbar nahe ist, gibt es einen möglichen Anfang. Vielleicht. Der Film lässt hier alles offen.

Die Geschichte, die Susan Gordanshekan erzählt, ist weder klamaukig noch tieftraurig. Sie ist vielmehr ein Kammerspiel zweier Menschen, die um sich kreisen und versuchen, in einer unbekannten Welt zu existieren.

„Die defekte Katze“ ist darum auch abhängig von den Leistungen der Hauptdarsteller: Pegah Ferydoni (bekannt aus der TV-Serie „Türkisch für Anfänger“) und Hadi Khanjanpour (unter anderem zu sehen in der Serie „Bad Banks“) stellen die Widersprüche, mit denen Mina und Kian im Alltag leben müssen, auf vitale und intensive Weise dar. Großartig vor allem die Leistung von Ferydoni, die ihre Rollenfigur ebenso ängstlich wie neugierig in die neue Umgebung entlässt.

„Die defekte Katze“ beweist, wie sehr und wie angenehm schauspielerisch gutes Kino fesseln kann.

Klaus Fricke
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