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NWZonline.de Nachrichten Kultur

So böse ist „Es“ wirklich

03.10.2017

Oldenburg Über der roten Nase funkeln böse Äuglein, der geschminkte Mund umspielt ein Raubtiergebiss wie von einem Tigerhai: Pennywise, der tanzende Clown, sucht die Kleinstadt Derry heim. Erst labt er sich an der Angst seiner kindlichen Opfer, dann an ihrem Fleisch. Eine Clique von Schulkindern, die sich „Verlierer“ nennt, fordert ihn heraus.

Schon die TV-Verfilmung von 1990 mit Tim Curry in der Hauptrolle ist zum Kultfilm einer Generation geworden. Seit Donnerstag tanzt Pennywise in der Neuverfilmung auf der großen Leinwand und soll wieder Teenagerhaare zu Berge stehen lassen. Im großen Hollywood-Stil, versteht sich. Die Rechnung geht auf: „Es“ gilt schon jetzt als einer der erfolgreichsten Horrorfilme aller Zeiten.

Und, taugt der Film auch was? Ja, er taugt was. Das liegt vor allem am überzeugenden Ensemble von Jungdarstellern um Jaeden Lieberher, der den stotternden Helden Bill spielt. Sie bilden das Herz der Geschichte, und dieses Herz schlägt kräftig.

Im subtilen Kern der Romanvorlage von Stephen King geht es um die Ängste jener, die den Schutzraum der Kindheit gerade verlassen. Bill ist kein Kind mehr, er ist der große Bruder des ermordeten Georgie, und als solcher fühlt er eine Verantwortung, die ihn zum Handeln nötigt. Die junge Beverly Marsh leidet unter den schmierigen Blicken ihres Vaters, einem anderen redet die eigene Mutter Krankheiten und Gebrechlichkeiten ein. Der Horrorclown ist das Abbild einer oft eben erschreckenden Kindheit, die es zu überwinden gilt, um später fest im Leben zu stehen. Wer sich seinen Ängsten nicht stellt, verliert den Boden unter den Füßen. „Ihr werdet alle fliegen“, lautet passenderweise die Drohung Pennywises.

Das Herz der Geschichte ist also gesund. Schwächen zeigen sich aber, wenn man „Es“ als reinen Horrorfilm betrachtet. Die Schockeffekte, die das Team von Regisseur Andrés Muschietti auf die Leinwand zaubert, sind allenfalls passabel und erreichen nicht das Niveau etwa der Conjuring-Filme von James Wan – auch wenn einige Effekte daraus entlehnt sind. Warum zum Beispiel muss der Zuschauer so genau sehen, wie der Horrorclown seine Zähne in den kleinen Georgie schlägt? Für den Horror im Kopf ist das mindestens unnötig, eher ein Manko.

Auch Pennywise selbst enttäuscht etwas: zu digital, zu wenig gewitzt. Natürlich wird er viel aufwendiger in Szene gesetzt als das Original, allein das Funkeln in den Augen wird vom Trickexperten am Rechner ordentlich befeuert. Mir aber gefällt der hemdsärmeliger, aber auch handfester agierende Tim Curry besser. Und so viele Zähne, wie der neue Pennywise ausfahren kann, braucht eh kein Clown.

Timo Ebbers
Ltg.
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2151

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