Oldenburg - Um 1590 wurde der Niederländer Jacob van Eyck blind geboren. Trotzdem war er der wichtigste Glockenspieler und vor allem Blockflötenvirtuose seiner Zeit. Schüler pilgerten nach Utrecht, um von ihm die eine oder die andere Kunst auf höchstem Niveau zu erlernen. Die berühmteste Sammlung von Bläserwerken überhaupt war lange Zeit der von ihm veröffentlichte „Fluyten Lust-Hof“ (Flöten-Lusthof). Damals, am Übergang von der Renaissance zum Barock, hatte die Blockflöte noch nicht den Geruch, ein Kinder- und Jugend-Instrument zu sein. Damals schrieben viele führende Komponisten Blockflöten-Musik.

Unter dem Titel des Programms, „Una suave melodia“ (Eine süße Melodie) hatte der Niederländer Han Tol virtuose Blockflötenmusik aus der Zeit der Renaissance und des Barock zu einem stimmigen, in sich runden Konzert mitgebracht. Begleitet wurde er an seinen verschieden großen Blockflöten von Nigel North auf der Laute. Auf dem Podium des Alten Landtags verzauberten die beiden renommierten Spezialisten an ihren Instrumenten das gebannt lauschende Publikum zum Auftakt der neuen Saison des Oldenburger Kunstvereins.

Die Arie „Amarilli mia bella“ hatte Jacob van Eyck zu einem betörenden und eingängigen Flöten-Solo umgeschrieben, das auch 400 Jahre später ganz direkt die Gemüter erreichte und entzückte.

Das tatsächlich klangschönste und melodienseligste Blockflötenstück war das den Programmtitel gebende „La suava melodia“ des Italieners Andrea Falconieri. Auch die opera 4 und 5 eines weiteren Italieners, Marco Uccellini, bestachen durch virtuos vorgetragene einschmeichelnde Wohlklänge.

Han Tol, der von 1999 bis 2007 Mitglied des berühmten Flanders Recorder Quartet war, gibt sein Können und Wissen seit 1994 an der Hochschule für Künste in Bremen weiter. Er und der aus London stammende Nigel North haben sich seit vielen Jahren dafür eingesetzt, diese Musik zu verlebendigen und einem neuen Publikum zu präsentieren.

Wurden die meisten der fünfzehn Werke von beiden Instrumenten vorgetragen, so gab es auch Solowerke für die Blockflöte oder die Laute. So konnte Nigel North ebenso virtuos wie beseelt die polyphone Kraft der Laute demonstrieren, drei-, vier-, ja selbst fünfstimmige Passagen überzeugend in ausgewogener Harmonie aufzuführen.

Der Höhe- und zugleich Endpunkt eines durch und durch angenehmen Programmes war ein Adagio des Bach-Zeitgenossen Johann Christian Schickardt. In dem trafen die einzelnen Vorzüge des Melodischen, des Virtuosen, des Expressiven und des Gelehrten in Vollendung zusammen. Die großartige Zwiesprache zweier so unterschiedlicher Instrumente erzwang noch einmal die ganze Aufmerksamkeit des Publikums und wurde abschließend mit einem ebenso warmen wie entspannten Beifall bedacht.