Oldenburg - Schatten sind etwas Normales. Jeder Mensch, der im Licht steht, wirft Schatten. Doch das dunkle Etwas hat auch etwas Unheimliches, Beängstigendes an sich. Schattenseiten an sich zu akzeptieren, fällt niemandem ganz leicht.

Wie aus diesem düsteren Stoff ein helles, freundliches und heiteres Stück (Dauer etwa 30 Minuten) werden kann, zeigt das Theater Wrede in seiner neuen Produktion „Kleiner Hase“. Wie schon in den vergangenen Spielzeiten gelingt es in dem aktuellen Stück, anspruchsvolle Inhalte unterhaltsam und kindgerecht zu präsentieren.

Die Handlung ist schnell erzählt: Der Kleine Hase bemerkt an einem strahlenden Frühlingstag einen großen schwarzen Hasen, der sich nicht abschütteln lässt. Eine Flucht über den Fluss nutzt ebenso wenig wie in den Wald. Im Gegenteil: Dort taucht der Wolf auf.

Entzückend gespielt von Mareike Henken und Ylva Jangsell, erleben die Zuschauer – angesprochen sind insbesondere Kinder zwischen zwei und sechs Jahren –, wie ausgerechnet der Schatten den kleinen Hasen groß und stark macht. Denn der Wolf nimmt am Ende reiß aus.

Das Bühnenbild – direkt neben der Eingangstür zum Theater – kommt mit wenigen Requisiten aus; neben dem Hasen und seinem großen Gefährten vor allem ein Gong, ein Sopransaxophon, eine Ukulele und ein sogenanntes Waterphone. Wunderbar vielseitig sind die Melodien, die einzelne Szenen ausmalen.

Ganz kindgerecht verwandelt sich Ylva Jangsell vor den Augen der Kinder in einen Wolf, der eher an eine schnurrende Katze erinnert. Niemand erschrickt; im Gegenteil: allgemeine Erheiterung.

Auftritte von Elch, Schnecke, Spinne und Vogel, besonders lichtvoll gespielt von Mareike Henken, schaffen viele sinnenfrohe Eindrücke. Wenn überhaupt etwas zu kritisieren ist, vielleicht die unverständlichen, hektischen Laute, die der Hase von sich gibt.

Regisseurin Kristina Feix greift mit „Kleiner Hase“ ein verbreitetes Bilderbuchthema auf, das zum Beispiel auch „Grüffelo“ zugrunde liegt. Den eigenen Schatten entdecken und lernen, mit dem Muffensausen umzugehen – welches Kind ist mit diesem Thema nicht angesprochen? Die wunderbare Vorführung sollte niemand verpassen, der seinem (Enkel-)Kind den Zugang zu einer wesentlichen Erfahrung eröffnen will.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)