OLDENBURG - Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden junge Leute Wäsche vor dem Rathaus auf dem Marktplatz aufhängen. Erst der zweite Blick offenbart Details, die Kleidung wird miteinander verknotet. Passanten bleiben stehen, blicken fragend, manche beteiligen sich an der Aktion „ver(b)rückt & verknotet“.

Man kommt ins Gespräch und erreicht damit das Ziel der Aktion. „Mit unserem Projekt wollen wir Menschen zusammenführen, die sich bisher völlig fremd sind und sich im Alltag begegnen, ohne voneinander Kenntnis zu nehmen. Wir wollen sie sozusagen vernetzen“, erläutert Sophie Menacher ihr Vorhaben.

Ein knappes halbes Jahr haben Studentinnen des Bachelor-Studienganges „Materielle Kultur: Textil“ im Seminar „Vermittlung materieller Kultur mit Schwerpunkt künstlerisch-edukativer Projekte“ unter Berücksichtigung aktueller Vermittlungsstrategien vielfältige textile Projekte ausgearbeitet.

Das klingt sehr universitär – ist es auch. Doch der Erfolg des Teams „enodis“ vom Fachbereich „Materielle Kultur: Textil“ der Carl-von-Ossietzky-Universität heiligt die Mittel. Über Monate hinweg wurden im Fachbereich Altkleider gesammelt. Der Verschenkmarkt gab auch Kleidung dazu, „die nach der Aktion wieder zurückgebracht wird“, verspricht Sophie Menacher.

Sie und ihre Kommilitoninnen Friederike Mahla (26) und Yvonne Rodomski (26) wollen gegen die zunehmende Sprachlosigkeit in der Gesellschaft ein Zeichen setzen. Das Projekt solle zudem den Blick auf andere verändern und damit Vorurteile gegenüber unbekannten Menschen abbauen. Ein schwieriges Unterfangen, in einer Zeit, in der viele Menschen über die Markennamen ihrer Bekleidung kommunizieren und die Kontaktaufnahme übers Internet läuft, das direkte persönliche Gespräch von Angesicht zu Angesicht immer mehr aus der Mode kommt, meint Menacher.

Das sieht auch Anne Wenzel so, die sich auf dem Rathausmarkt an der Aktion beteiligt. Die 69-Jährige hält es für eine tolle Idee, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. „Vernetzung, Kommunikation, in Verbindung treten – dafür lohnt es sich, sich einzusetzen und mitzumachen“, meint sie.

„Mitgemacht haben auch zwei Jungs aus dem Sauerland, die mit ihren Eltern hier Urlaub machen“, freut sich Sophie Menacher. Zum Schluss war der Rathausmarkt gut verknotet, und die Menschen haben neue Kontakt geknüpft.