OLDENBURG - Kennt er sich in der Botanik aus? Nein, betont Florian Wenzel im Gespräch. Es gehe auch gar nicht um Blumen, sondern um Bilder. Er sei einfach fasziniert von Blumen. Besser: von Blüten. Noch besser: von der Blumenmalerei Piet Mondrians (1872–1944).

„So ist das“, erklärt Wenzel, was da im Hüppesaal des Oldenburger Stadtmuseums hängt, „ein Ergebnis der Auseinandersetzung mit dem berühmten holländischen Maler.“ Wenzel wünscht sich, dass die farbkräftigen Blumen an den Wänden anfangen, „miteinander zu tanzen“.

Da er den Hintergrund der Blüten monochrom malte, wirkt das Arrangement fast abstrakt, obwohl man zum Beispiel eine wunderbar verflochtene Chrysantheme erkennt. Diese Kunst beeindruckte die Jury der Öffentlichen Versicherungen. Florian Wenzel, der so professionell wirkt und doch erst 26 ist, wurde für seine Raffinesse belohnt: Er hat am Donnerstag im Stadtmuseum Oldenburg den Förderpreis Fotografie der Öffentlichen Versicherungen bekommen. Das ist ein hoch dotierter Preis (8000 Euro) und kombiniert mit einer Ausstellung und einem feinen Katalog ein Wohlfühlpaket für junge Künstler.

Wenzel kam am 12. März 1986 in Oldenburg zur Welt. Sein Abitur legte er 2005 am Alten Gymnasium ab. Er studierte in Essen Malerei, seit Oktober 2011 nun Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Dabei setzt Wenzel auf Tradition: Er verzichtet auf digitales Fotografieren, er liebt es analog und grobkörnig. Gute Kunst, sagt er, brauche keine allermodernste Technik.

Die Blumen als Fotovorlage für seine Farb-Stillleben holt er sich natürlich aus Blumenläden. Frische ist Trumpf. Dann muss es zügig gehen: „Verwelktes interessiert mich nicht.“

Bei der Preisverleihung wurden, nicht gerade bei Veranstaltungen dieser Art üblich, durchaus frische Reden geschwungen. Franz Thole, Vorstandschef der Öffentlichen Versicherungen, betonte launig das von Wenzel herausgearbeitete, indes zwiespältige Verhältnis von Malerei und Fotografie. Laudatorin Heidi Specker lobte sich selbst – und dies zu Recht: Schließlich ist Florian Wenzel, dessen stolze Oldenburger Eltern in der ersten Reihe saßen, in Leipzig ein Schüler von Heidi Specker, die an der Hochschule für Grafik und Buchkunst lehrt. Und nicht zuletzt lobte Heidi Specker den Kunstpreis: „Davon profitieren alle.“