OLDENBURG - Unverhofft kommt oft: Da hatte Gabriele Böger vor einiger Zeit ihr Aquarell „Einwohner II“ eingereicht für den ersten Europäischen Kulturwettbewerb des Spanischen Ministeriums für Arbeit und Einwanderung und nicht mehr viele Gedanken darauf verschwendet. Doch dann, irgendwann im Juli, blinkte es im Computer der Oldenburger Künstlerin: Eine E-Mail aus Madrid informierte sie, dass sie in der Wettbewerbssparte Malerei auf den zweiten Platz gesetzt worden sei.
„Ich habe ungläubig geguckt, nachdem ich den Brief gelesen hatte“, lacht die 49-Jährige, doch dann bestellte sie doch ihr Flugticket nach Oviedo. In dieser spanischen Stadt findet am 4. November die Preisverleihung des Europäischen Kulturwettbewerbs statt.
„Seit der Kinderzeit bin ich an der Malerei interessiert“, sagt Gabriele Böger, „für mich war sie stets wichtiges Ausdrucksmittel.“ Weshalb sie es auch nicht bei kindlicher Kleckserei beließ: Einem Textildesign-Studium in Hannover ließ Böger ein Kunst- und Pädagogikstudium in Oldenburg folgen, was ihren Blick auf die Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks schärfte. Heute hat die Oldenburgerin die Schwerpunkte ihrer Motive auf Landschaften und Gärten gelegt – gern mit abstrakten Formideen ausgeführt und stets mit selbst produzierten Eitempera-Farben gemalt.
Apropos abstrakt: „Ich habe in der Regel einen gegenständlichen Ausgangspunkt bei einem Bild“, schildert sie ihre Arbeitsweise, „die dann ins Abstrakte hinübergleitet.“ Sie nennt diesen Ansatz „Malerei als Entschleunigung“.
Das erfolgreiche Aquarell „Einwohner II“ lässt mit seiner blauen gekrümmten Figur viele Interpretationsmöglichkeiten zu – „und die akzeptiere ich auch“, betont Gabriele Böger. „Letztendlich ist ja die Bildwirkung auf den Betrachter entscheidend.“
Damit hat sie seit 1997 eine Vielzahl von gut besuchten Ausstellungen bestückt, und damit hat sie nun auch die spanische Jury überzeugt, die ansonsten die heimischen Künstler zu Wettbewerbssiegern gekürt hat. Dabei geht der finanzielle Wert der Auszeichnung gegen Null: „Viel wichtiger ist der Anerkennungswert, den meine Arbeit für die Zukunft erhält“, meint Gabriele Böger und packt ihre Koffer. Der Festakt in Oviedo steht kurz bevor.
