OLDENBURG - Postsozialistische Tristesse und avantgardistische Architektur: Mit in Stein gefassten gesellschaftlichen Umbrüchen befassen sich die beiden neuen Ausstellungen im Oldenburger Edith-Ruß-Haus. Die Österreicherin Isa Rosenberger und die Israelin Nira Pereg gehen in ihren Foto- und Videoinstallationen der Frage nach dem Verhältnis zwischen Individuen und politischen Entwicklungen nach – an Orten, die eigentlich wenig miteinander gemein haben.
Die in Wien lebende Isa Rosenberger befasst sich mit der nur etwa 60 Kilometer entfernten tschechischen Stadt Bratislava, in der Vor-Wendezeit an der Nahtstelle zwischen den ideologischen Blöcken gelegen.
Nach dem Prager Frühling von 1968 entstand hier als sozialistischer Prestigebau die Nový-Most-Brücke. Von der in 80 Metern Höhe gelegenen Aussichtsplattform können Besucher bis nach Österreich schauen – zur damaligen Zeit bedeutete das: Bis in den Westen.
Eigenwillig gedeutet
Sowohl an dieser Brücke als auch an einem monumentalen, heute indes eher vereinsamt daliegenden Brunnen macht Rosenberger die Veränderungen der letzten Jahrzehnte fest und lässt dabei Einwohner der Stadt zu Wort kommen. Auf der Plattform inmitten des Brunnens, auf der zu sozialistischer Zeit Konzerte stattgefunden hatten, wünschen sich Bratislavaer Jugendliche heute einen Auftritt der Heavy-Metal-Band Iron Maiden. Der Begriff des Eisernen Vorhanges, aus der Theaterwelt stammend, erhält in Rosenbergers Fotografien-Serie „Ruzinov“ angesichts der heute leeren Bühne des Brunnens eine ganz eigenwillige Deutung.
Mit der Frage des gesellschaftlichen Zusammenlebens befasst sich Nira Pereg. Ihr gehe es darum, zu zeigen, „wie wir den uns zur Verfügung stehenden Raum teilen“, erklärt die in Jerusalem lebende Künstlerin.
Anhaltspunkte und Motive findet sie an sehr vielen Orten – etwa in der avantgardistischen Architektur eines Jerusalemer Viertels oder auch in den Erzählungen eines kongolesischen Flüchtlings, der in Tel Aviv über sein Leben spricht, und das in vier Sprachen. Der Besucher, der kaum etwas versteht, erfährt ansatzweise die problematische Situation des Heimatlosen.
Gute Nachbarschaft
Beide Schauen drehen sich auch um das Thema Nachbarschaft und basieren auf einer ähnlichen, eher dokumentarisch angelegten Herangehensweise. Obwohl sie jeweils auch allein funktionieren würden, „ergänzen sie sich wunderbar“, meint zumindest Sabine Himmelsbach, Leiterin des Edith-Ruß-Hauses.
So bieten beide Ausstellungen individuelle Blicke auf ein Hauptthema – in guter Nachbarschaft.
