OLDENBURG - Drei Schwerpunkte bestimmen die Kunst Willy Jaeckels, der 1888 in Breslau geboren wurde und 1944 in Berlin umkam: das Bild der Frau in den 1920er Jahren, der Lithografie-Zyklus zum Krieg 1914/15 und Radierungen zur Bibel (1920). Ein Blumen-Stillleben und einige Landschafts-Bilder ergänzen den Überblick, mit dem das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg im Schloss an den Maler und Grafiker erinnert. Die Auswahl wurde aus dem Nachlass übernommen.

Die drei Themenbereiche basieren auf dem Studium der Historienmalerei in Breslau und dem Figurenbild, wie es die Dresdner Akademie vermittelte. Doch hat Willy Jaeckel eine eigene emanzipierte Bildsprache entwickelt.

Grafik-Zyklus zum Krieg

Sein früher Grafik-Zyklus zum Krieg widersprach dem Hurra-Patriotismus, zeigte in brutaler Offenheit die Schrecken des Krieges und wurde prompt von der Zensur verboten. Selbst seine Probleme mit der NS-Kulturbürokratie, die manche der Bilder des Mitglieds der Preußischen Akademie der Künste und Professors als „entartet“ ansah, können auf diese unzeitgemäße Anti-Kriegs-Eruption zurückgeführt werden. Die Radierungen zur Bibel – der umfangreichste Zyklus – war von der Hoffnung getragen, dass der Krieg gereinigt und friedliche, liebende Menschen geschaffen habe.

Solche Auffassung lässt sich auch in großen Paar- und Aktbildern erkennen, mit denen sich der Künstler am Berliner Kunstgeschehen beteiligte. Sein Ruf als herausragender Porträtist wurde zur Grundlage seines Lebensunterhalts, seine Frauen-Bilder brachten ihm künstlerischen Erfolg in vielen Ausstellungen und zahlreiche Ankäufe.

Mondäne Frisuren

Dieses Thema dominiert auch in der Schau. In Jaeckels Aktmalerei ist zu verfolgen, wie sich um 1923/24 die expressionistisch gedrehten und gestreckten Körper in wohl proportionierte und sachlich wirkende Aktfiguren verwandeln. In den Porträts schwankt der Künstler zwischen abstrahierten Gestalten, die allgemein als „Tänzerin“ oder „Dame in Gelb“ bezeichnet werden, und namentlich fassbaren Bildnissen, in denen das Gesicht einen realistischen Ausdruck erhält, während die Körperpartien mit dem Bildgrund eine abstrahiert flächige Farbkomposition eingehen.

Willy Jaeckel bestätigt nur selten das mondäne Frauenbildnis, das aus den 20er Jahren überliefert ist; es wird in den Frisuren zuweilen angedeutet. Viel stärker hat er die selbstbewussten Züge in den Gesichtern ausgearbeitet, die andeuten, dass viele Frauen trotz aufkommendem Faschismus und patriarchalischer Gesellschaft sich zu behaupten suchten und ihrer Zeit weit voraus waren.