OLDENBURG - Klassische Filme und Nachrichtensendungen werden künstlerisch überarbeitet. Zwölf Künstler und Gruppen machen eine unterhaltsame Schau.

von Jürgen weichardt

OLDENBURG - Eine Rückkehr in die Filmgeschichte ermöglicht jetzt die gestern Abend eröffnete Ausstellung „Re-Vision“ im Edith Russ-Haus. Sie zeigt Sampling – Methoden, aus Filmen unerwartete, ursprünglich nicht gewollte Motive herauszuholen. Die Filme sind im Grunde Lagerhalden, aus denen sich Künstler und Laien heute per Internet zeitgeistgerecht bedienen. Sie nehmen die Traumwelt als unendlichen Supermarkt.

Christoph Girardet und Matthias Müller haben einen Film zur Vergänglichkeit elektronischer Technik zusammengestellt. Für Interessierte ein nostalgisches Werk, auch über technisches Design.

In Hollywood wurde der Griff zum Telefon zur Kultgeste. Christian Marclay hat solche Szenen aneinander gereiht und die stets ähnlichen Bewegungen als Ritus entlarvt, den das Publikum übernahm. Die Film-Helden zeigt Maureen Connor auf deren Höhepunkt. Eine transparente Uhr davor, auf 12 gestellt, kündigt den Abstieg an. Ein altes Barock-Motiv.

Noch rigoroser zerlegt Lenka Clayton die TV-Rede des US-Präsidenten nach dem 11. September vorm Senat, indem sie Bushs Worte nach dem Alphabet sortiert und entsprechend den Film neu klebt. Ein Kuriosum, in dem Lächerlichkeit Ernst ersetzt. Nachrichten sind auch der Stoff für das Künstlerduo M+M: Eine umstrittene Heiligsprechung durch Johannes Paul II. wird Thema einer eigens gedruckten Zeitung, die wiederum als Wandbekleidung Raum gibt für minimalisierte Dia-Aufnahmen mit den Einzelbildern (Frames) der Nachrichtensendung. M+M verbinden einfallsreich Kinowelt mit dem klassischen Medium Zeitung.

Uns Lesern setzt Julia Müller ein fragliches Denkmal: Auf Flohmärkten und im dem Internet hat sie private Urlaubsfilme gesammelt und auf Verhaltensmuster untersucht. Sie ergeben neue Filme. Der Betrachter sucht Erinnerungen und sieht sich in banalen Aktionen vor der Kamera. Ganz anders geht der Däne J. Tobias Anderson vor: Er verwandelt Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ („North by Northwest“) in einen Zeichentrick-Film, indem er 879 Elemente daraus übermalt und unter Wahrung der Reihenfolge wieder zusammensetzt. Sie ergeben sieben Minuten Film. Wer sich an die Vorlage erinnert, wird 80 Minuten sparen.