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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kunst: Versammlung der olympischen Götter

02.11.2019

Oldenburg Der Brite John Flaxman, geboren 1755 in York, war ein Wunderkind: Mit zwölf Jahren stellte der Sohn eines Gipsgießers in London sein erstes Werk – zwei mythologische Gipsfiguren – aus, mit Vierzehn wurde er als einer der jüngsten Schüler zum Studium an der Royal Academy School in London zugelassen, wo er Unterricht in Malerei, Architektur, Perspektivlehre und Anatomie erhielt. Bildhauerei, das eigentliche Spezialgebiet Flaxmans, gab es damals noch nicht. Der Künstler brachte sie sich als Autodidakt selbst bei. Als 1810 die Bildhauerei als Studienfach eingerichtet wurde, ernannte man Flaxman zum ersten Professor dieses Faches.

Flaxman war allerdings nicht nur als Bildhauer tätig. Sein Talent als Zeichner zeigt sich vor allem in seinen von verschiedenen Kupferstechern gestochenen Umrisszeichnungen zu den homerischen Werken „Ilias“ und „Odyssee“, von denen das Landesmuseum mehrere Motive besitzt. Diese Zeichnungen begründeten Flaxmans Ruhm und wurden stilprägend für viele weitere Künstler und Illustratoren.

Sie charakterisieren sich durch eine Reduzierung auf die wichtigsten Personen einer Handlung. Ein örtlicher Kontext wird nur rudimentär angedeutet. Sämtliche Figuren und Gegenstände sind in Konturlinien ohne Schattierungsflächen oder Binnenzeichnungen ausgeführt. Die geschwungenen Linien muten durchaus ornamental an und verleihen den Zeichnungen einen eigenen Rhythmus.

Das gilt auch für das Blatt aus dem Oldenburger Landesmuseum. Die achsensymmetrisch komponierte Szene zeigt die Götterversammlung um Zeus, die über den weiteren Fortgang des Trojanischen Krieges berät, wie es im vierten Gesang in Homers „Ilias“ geschildert wird.

Schon zu Beginn der „Ilias“ wird deutlich, dass die Helden und Akteure im Trojanischen Krieg dem Willen der Götter unterworfen sind und sich dem Schicksal beugen müssen. Bei der Götterversammlung wird über Menelaos, den König von Sparta gesprochen, dessen Frau Helena geraubt wurde und der daraufhin mit seinen griechischen Verbündeten in den Kampf gegen Troja zog. Flaxman zeigt auf der entsprechenden Illustration der ersten Verse des vierten Gesangs nur neun der zwölf olympischen Götter und Göttinnen und fügt noch einen am unteren Bildrand lagernden Genius des Olymp sowie Hebe, die Göttin der Jugend, die der Mundschenk der Götter ist, hinzu.

Ursprünglich waren Flaxmans Umrisszeichnungen eigenen Aussagen zufolge nur als Vorlagen für Reliefs bestimmt. Das Publikum zeigte sich doch so begeistert von ihnen, dass sie als eigenständige Kunstwerke aufgefasst wurden und sich etablierten. Mit ihrer Verbindung von Schlichtheit und Ausdrucksstärke bedienten sie das damalige, durch den deutschen Archäologen Johann Joachim Winckelmann geprägte Antikenbild von „edler Einfalt und stiller Größe“ und lösten eine regelrechte Mode der Umrisszeichnungen aus.

Weitere spannende Geschichten aus der antiken Mythologie gibt es vom 9. November an in der Ausstellung „Götter & Helden. Mythologische Malerei im Barock und heute, feat. Michael Ramsauer“ im Augusteum zu sehen.

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