OLDENBURG - „Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“ ist das eigentliche Thema der Ausstellung. Die Künstlerin wurde 1966 geboren. Sie wollte zunächst Lehrerin werden.

Von Jörg M. Henneberg

OLDENBURG - „Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“ ist eine feststehende Redewendung. Sie geht wesentlich auf Christoph Martin Wieland, einen Schriftsteller des 18. Jahrhunderts, zurück. Und sie besagt, dass der Betreffende wegen der Fülle der Eindrücke das Einzelne und Wesentliche nicht mehr zu erkennen vermag.

Eine Arbeit von Silke Hurcomb ist so betitelt. Unter dem Motto „Transparenzen II“ zeigt die in Oldenburg lebende Künstlerin ihre Werke in diesem Monat in der NWZ -Galerie im Oldenburger Pressehaus an der Peterstraße.

1966 geboren, studierte Silke Hurcomb Kunst auf Lehramt, entschied sich jedoch für die freiberufliche künstlerische Tätigkeit. Ihre Arbeiten sind auf Transparentpapier angelegt. Bis zu drei Lagen ergeben eine Illusion von Tiefenräumlichkeit.

Silke Hurcomb ist eine Zeichnerin, die es versteht, das Detail festzuhalten. Ihre fast veristischen Zeichnungen von Baumstämmen führen die Strukturen der Oberfläche vor Augen. Ihr Blick aufs Detail beweist, dass es mitunter tatsächlich nur eine Frage des gewählten Ausschnitts ist, ob eine Darstellung abstrakt oder figurativ gesehen wird.

Silke Hurcomb arbeitet in Mischtechniken, der Bleistift, das Acryl und Ölfarbe finden Verwendung. Ihre Aufnahme von Details wie Blättern und Baumrinde erinnern an frühe naturwissenschaftliche Zeichnungen, wie sie beispielsweise in der Romantik gepflegt wurden.

Künstler wie Philipp Otto Runge, Caspar David Friedrich (aber auch die Deutschrömer) haben mit ihren minutiösen zeichnerischen Studien einen Kosmos der Formen bewahrt.

Indem Silke Hurcomb Blätter übereinander schichtet, die sie bearbeitet hat, schafft sie im konkreten Sinne ein Abbild des Gesehenen. Beeindruckend ist dabei ihre Zielstrebigkeit, mit der sie ihren eigenen Stil geformt hat.

Sie hat sich mit ihren Motiven sehr eingehend, fast kontemplativ auseinander gesetzt. Nicht selten hat sie die Blätter mit nach Hause genommen und diese dann eingehend zeichnerisch studiert.

In weiteren Werken treibt sie den Grad der Abstraktion voran, wobei den als Bäume zu abstrahierenden Strichlagen jedoch weniger Eindringlichkeit eigen ist, als dies bei den detaillierten Baum- und Blätterstudien der Fall ist.

Eine schöne Ausstellung, die gerade deswegen ansprechend ist, weil sie genau die Schnittstelle zwischen Figuration und Abstraktion berührt. Man darf gespannt sein auf die weiteren Arbeiten von Silke Hurcomb.

Die NWZ -Galerie versucht mit dieser Ausstellung ein weiteres Mal ein lebendiges Plenum für anspruchsvolle zeitgenössische Kunst aus dem Nordwesten zu sein. Die Schau ist auf jeden Fall ein spannender Jahresauftakt.