OLDENBURG - Das Kunstwerk des Monats Januar ist ein Beistelltisch von Gallé. Der Franzose entwickelte seine Formen nach der Natur.

Von Karin Kubitsch

OLDENBURG - Als Kunstwerk des Monats Januar 2007 stellt das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte einen Beistelltisch von Emile Gallé (1846–1904) vor, der noch bis zum 25. Februar in der Ausstellung „Kunst und Dekoration – Der Traum vom Jugendstil“ im Oldenburger Schloss betrachtet werden kann.

Die geschwungenen Beine des Tisches zeugen noch von der Vorliebe für das Rokoko, von dem sich gerade die französischen Möbelgestalter nur schwer lösen konnten. Der Tisch mit einem Korpus aus massiver Buche hat eine rechteckige Form mit zwei Platten mit Teak-Furnier. Unter Verwendung verschiedener, teilweise polierter Nussbaum- und Wurzelhölzer werden durch feinste Einlegearbeiten (Marqueterien) unterschiedliche Blätter dargestellt.

Der Glaskünstler und Möbeldesigner Emile Gallé leitete in Frankreich eine stilistische Reform ein und drückte mit seinen Glasobjekten und seinen Möbeln eine tiefe Liebe zur Natur aus. Er entwickelte eine neue Ornamentik, die später als „Art Nouveau“ bekannt werden sollte und deren florale Ausprägung der Vorstellung vom Jugendstil am meisten entspricht.

Zunächst hatte Gallé jedoch noch nachahmend im Sinne des Historismus gearbeitet. Als Sohn eines Keramik- und Kristallhändlers in Nancy geboren, studierte er Philosophie, Botanik und Mineralogie in Weimar und nahm privaten Mal- und Zeichenunterricht. Ausgedehnte Reisen dienten dem Studium von Kunst, Kultur und Natur und brachten ihm auch traditionelle antike Techniken und ostasiatische Kunst nahe.

1885 erweiterte er die von seinem Vater übernommene Glaswerkstatt in Nancy um eine Werkstatt für Möbel und Marqueterie, einer Einlegetechnik, bei der das Furnier aus vorgeformten Stücken meist exotischer Hölzer auf dem Grundholz mosaikartig zusammengesetzt wird.

Begeistert vor allem von japanischer Kunst, versuchte Emile Gallé in seinen Möbeln und Glasobjekten Formen und Dekors aus natürlichen Strukturen zu entwickeln. Ein intensives Studium der Natur war die Basis für die dekorative Darstellung einheimischer Flora.

Auf dieser Grundlage botanischer Exaktheit und der Rückbesinnung auf antike Traditionen und Verfahrensweisen schuf Gallé technisch ausgereifte Möbel, deren Extravaganz von Zeitgenossen gleichwohl kritisiert wurde: „Er verwandelte Bäume in Möbelstücke, bevor er sich mit ihrer Funktion auseinandersetzte“ (A. Duncan, Louis Majorelle, München 1991, S. 46). Unter Verwendung auch ungewöhnlicher Aspekte der Natur – so wurden etwa Libellenflügel zu Tischbeinen – und in seiner Leidenschaft für schönes Dekor setzte sich Gallé häufig über den statischen Aufbau seiner Möbel hinweg.

In den 1880er- und beginnenden 90er-Jahren stand Gallé unter den französischen Möbelkünstlern als Theoretiker und Verfechter eines neuen Stils zunächst allein da. Es war sein Verdienst, dass sich der neue dekorative „Art Nouveau“ ab den 90er- Jahren durchsetzte. 1901 gründete Gallé mit einigen anderen Künstlern die École de Nancy. Er errang weltweit zahlreiche Preise und beeinflusste maßgeblich die Möbelgestaltung seiner Zeit.