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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Schönheit der Natur malend konserviert

28.07.2018

Oldenburg An Opulenz und Pracht kaum noch zu überbieten ist das „Stillleben mit Blumen und Früchten“ des dänischen Malers Johan Laurentz Jensen. Vor einem unbestimmten, erdfarbenen Hintergrund wächst aus einer Vase eine Fülle von Blüten und Zweigen empor: weiße Stockrosen, gelbe, rote und weiße Dahlien, Rittersporn, Kapuzinerkresse, Zinnien, Prunkwinden, Passionsblumen, Astern, Feuerlilien sowie Vogel- und Fliederbeeren. Auf der braunen Marmorplatte, auf der die Vase steht, befindet sich auch eine Schale mit Weinranken und verschiedenem Obst: Trauben, weiße Johannisbeeren, Stachelbeeren und ein Pfirsich; daneben liegt eine Ananas.

In naturalistischer Manier und mit akribischer Sorgfalt gemalt wirken die Blumen und Früchte in ihrer jeweils spezifischen Stofflichkeit wie echt. Damit greift Jensen den Topos der Stillleben-Malerei des niederländischen Goldenen Zeitalters auf, bei der es darauf ankam, möglichst täuschend echte Abbilder der Natur zu schaffen.

Jensen war ein überaus produktiver Blumenmaler, der das aus den Niederlanden stammende Motiv des Blumenstilllebens nach Skandinavien brachte. Er war darauf spezialisiert und schuf im Laufe seines Lebens Hunderte solcher Darstellungen.

Der Maler wurde 1800 in dem dänischen Dorf Gentofte in der Nähe von Kopenhagen geboren. Bereits mit 14 Jahren ging er als Schüler an die Königliche Akademie in Kopenhagen. 1822 wurde der dänische Kronprinz Frederick auf ihn aufmerksam und verlieh ihm ein Reisestipendium, mit dem er ihn in die Königliche Porzellanmanufaktur Sèvres bei Paris schickte.

Dort lernte Jensen die Technik der Porzellanmalerei, deren wichtigstes Motiv zu dieser Zeit leuchtendfarbige Blumenstillleben waren. In Paris traf er die flämischen Blumenmaler Gérard und Cornelis van Spaendonck und setzte unter ihnen seine Ausbildung fort. Durch sie kam er in Berührung mit der niederländischen Tradition der Blumenstillleben.

Für Jensens Blumenstücke spielen auch seine Studien antiker Vasen eine wichtige Rolle. Der Maler reiste 1833 bis 1835 nach Italien, wo er antike Objekte in öffentlichen und privaten Sammlungen studieren konnte. Diese Eindrücke scheinen ihn nachhaltig inspiriert zu haben, denn nun begann er regelmäßig, seine Blumensträuße in antiken oder zumindest antikisierenden Vasen zu arrangieren, wie auch in dem Oldenburger Gemälde.

Verdeckt durch Zweige und Blüten ist die Bemalung auf der Vase allerdings nur ausschnitthaft zu erkennen. Es handelt sich um die Darstellung von Aphrodite mit einem Spiegel und zwei geflügelten Genien. Das antike Stück existiert tatsächlich und befindet sich im Louvre.

Die sonst so typischen Vanitas-Symbole, die auf die Vergänglichkeit des Lebens hinweisen, fehlen in Jensens Darstellung. Die Blumen sind nicht welk, sondern stehen in voller Blüte, auch die Früchte sind frisch und nicht überreif. Jensen konserviert, was in der Realität vergänglich ist, und feiert die Schönheit der Natur mit den Mitteln der Malerei.

Nach seinem Tod im Jahr 1856 geriet der Maler immer mehr in Vergessenheit, am Ende des 19. Jahrhunderts existierte er in der dänischen Kunstgeschichte praktisch nicht mehr. Erst eine Ausstellung, die in diesem Jahr in der Nivaagaard Collection im dänischen Nivå stattfand, hat den Künstler mit einer umfassenden Einzelschau gewürdigt und in die Kunstgeschichte zurückgeholt.

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