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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Musik: Von der Provokation des Alten

05.02.2019

Oldenburg /Leer Vom Komponisten George Antheil geht die Kunde um, dass er auf Bühne und Podium einen geladenem Revolver mit sich führte. Notfalls könne er sich bei Aufruhr im Publikum den Weg freikämpfen. Der Amerikaner spielte in den 1920er Jahren in Berlin nicht nur verschreckende Musik, sondern auch seine Rolle als Enfant terrible der Avantgarde. Das bürgerliche Publikum ließ sich damals noch gern auf die Barrikaden treiben. So etwas reizte.

Natürlich kennt Ekkehard Windrich (44) die Antheil-Anekdote. Und natürlich redet er keiner Gewalt das Wort. Aber insgeheim bedauert der Geiger und Dirigent, dass die Zeiten der Auseinandersetzung mit Zeitgenössischer Musik heute gesittet geworden sind. Wenn aktuell das „Buh“ schon als exponiert gilt, dann offenbart das auch viel Gleichgültigkeit. Neue Musik? Nett, irgendwie akzeptiert. Eigentlich ist es das Schlimmste, was ihr im vollen Leben widerfahren kann.

Heutige Avantgarde

Zumindest im Titel zweier Konzerte in Oldenburg (8. Februar) und Leer (9. Februar) versuchen es Windrich und das renommierte Oh-ton-Ensemble mit einer dezenten Provokation: „Der Reiz des Unbekannten.“ Ha, ha! Es gibt Werke von Anton Webern (von 1934), Earle Brown (von 1952/54), Iannis Xenakis (von 1975) oder Morton Feldman (von 1976). Da winken sogar gesittete Besucher klassischer Sinfoniekonzerte ab: Olle Kamellen. Solche Neutöner kennen wir längst!

Wirklich? Windrich, seit 20 Jahren als Solist und Ensemblespieler eine Größe in der Interpretation Neuer Musik, hegt da Zweifel. „In diesen Werken der Altvorderen der heutigen Avantgarde steckt so viel revolutionäres Potenzial“, sagt er, „es lohnt einfach, das in einem Programm freizulegen, das 70 Jahre abdeckt. Wer nur die Oberfläche hört und sieht, überspringt das spannende Unbekannte.“ Es lohne sich aufzuzeigen, wie die Avantgarde dorthin gekommen ist, wo sie heute steht.

Beispiel Webern und sein Konzert für Klavier, Flöte, Oboe, Klarinette, Horn, Trompete, Posaune, Violine und Viola: „Da sind die Mittel des Kontrapunktes ganz verdichtet in ein klangschönes Zwölftonwerk eingeflossen.“ Beispiel „Phlegra“ für sieben Bläser und vier Streicher von Xenakis: „Da hat er die Geschichte seiner schweren Verletzung im griechischen Bürgerkrieg verarbeitet. Entwurf und Aufbau des Werkes basieren auf Grundlagen der Wahrscheinlichkeitsrechnung – wie sind jene Orte berechenbar, an denen ich mich bei einem Massenaufruhr am unsichersten fühlen muss? Es ist in seiner Tiefe ein grandioses Stück.“

Kritischer Geist

Die lebendige Avantgarde kommt selbst zu Wort. In Oldenburg erläutert Michael Reudenbach (62) vorweg sein „ahto“ von 2008. In Leer bringt Karin Haußmann (56) ihre „Resonanzen“ von 1995/99 den Hörern näher.

Gegenüber den Zeitströmungen bleibt Windrich ein engagierter kritischer Geist. Mag sein, dass die Avantgarde in einer Phase der Konsolidierung steckt. Er habe „nicht das Gefühl, dass es wirklich viel Neues gibt.“ Performance, Präsenz der Musiker, Aktionen im Internet, das alles sei vielfältiger geworden. „Es gibt viel technischen Fortschritt, aber keine wirklich neue Tonsprache, eher die gleichen Floskeln und Klischees.“ Doch da mag dieser konzertante Rückblick auf die Historie der Avantgarde lehren: Auch die Zeiten des Luftholens sind wichtig.

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