OLDENBURG/LINZ - Der ehemalige Intendant des Staatstheaters kann erste Erfolge vorweisen. Aber auch ein wenig Ernüchterung klingt durch.
Von Regina Jerichow
OLDENBURG/LINZ - Für ebenso symbolträchtige wie öffentlichkeitswirksame Aktionen war Rainer Mennicken in der Region bekannt. 2003 stellte sich der Intendant des Oldenburgischen Staatstheaters komplett bekleidet in ein Schwimmbecken, um zu demonstrieren, dass dem Haus das Wasser finanziell bis zum Halse stehe. An seiner neuen Wirkungsstätte, dem Landestheater Linz, blieb er zumindest trocken: Zur Eröffnung seiner ersten Spielzeit in Oberösterreich sprang er durch eine Feuerwand.Das Wagner-taugliche Spektakel hatte er gemeinsam mit der Betriebsfeuerwehr des Hauses für ein großes Theaterfest ausgeheckt. „Hinterher stand in der Zeitung: ,Der Intendant geht für sein Theater durchs Feuer‘“, erzählt Mennicken mit Genugtuung, „und damit war der Zweck erfüllt.“
Der gebürtige Bielefelder wechselte im Sommer 2006 an das Linzer Vier-Sparten-Haus, nachdem er das Oldenburgische Staatstheater seit der Spielzeit 2001/2002 geleitet hatte. „Mit „Hirn und Herz“ sei er immer noch „irgendwie mit Oldenburg verknüpft“, sagt der 56-Jährige. Das lasse sich nicht so einfach abstreifen, zumal er in Linz „verwandte Strukturen“ vorgefunden habe. Wenn auch deutlich größere.
Der Spielbetrieb sei „nach anfänglichem Stolpern“ gut ins Laufen gekommen. Ein meteorologisch exzellenter Herbst habe zwar dazu geführt, erklärt er, „dass die Leute mehr im Biergarten als im Theater saßen“. Inzwischen aber sei man bei einer Auslastung von schätzungsweise 85 Prozent. „Damit kann man sich schon sehen lassen.“ Was das Kulturleben betrifft, scheinen die Unterschiede zu Oldenburg eher im Volumen zu liegen. Er habe festgestellt, sagt der Intendant etwas ernüchtert, dass bei aller „Raunerei über die Kulturbürgertradition in Österreich hier auch nur mit Wasser gekocht wird“.
Im Übrigen wirft ein Großereignis seine Schatten voraus: Im Jahr 2009 wird Linz Kulturhauptstadt Europas. Erste Gespräche über kommende Projekte würden bereits geführt, so Mennicken. Allerdings ist damit zugleich eine „gewisse Enttäuschung“ verbunden, denn der zu diesem Termin angekündigte Opernhaus-Neubau verzögert sich voraussichtlich bis 2011. „Es kann also sein, dass ich meinem Nachfolger oder meiner Nachfolgerin den Schlüssel übergebe.“ Die Frage, ob er später auch in den Genuss komme, das neue Haus zu bespielen, wolle er locker auf sich zukommen lassen.
Ebenso gelassen schaut Mennicken aus seinem Arbeitszimmer auf das barocke Linzer Stadtschloss und genießt die Aussicht. Sein privates Domizil hat er allerdings vor den Toren der Stadt aufgeschlagen, in Leonding. Sein an einem Südhang liegendes Häuschen hat er im Sommer selbst in Schuss gebracht: „Das gibt Bodenhaftung.“
Dass Mennicken dennoch mit Oldenburg verbunden bleibt, ergibt sich nicht zuletzt aus einer „witzigen Doublette“. Vor 50 Jahren, als die Kammerspiele eröffnet wurden, leitete ein Intendant das Landestheater, der ebenfalls aus Oldenburg kam: Fred Schroer. „Das hat mich auch erstaunt“, sagt Mennicken. Ein Foto von Schroer hänge im oberen Foyer des Staatstheaters, in der „Intendantengruft“. Dort, wo auch Mennickens Porträt demnächst seinen Platz finden wird.
