OLDENBURG - OLDENBURG - Schließlich haben sie doch noch alle hingefunden: Ausnahmsweise gastierte die LiteraTour Nord gestern nicht wie üblich im Oldenburger PFL, sondern in den Dachgeschossräumen des Literaturbüros. Gemütlich war’s, voll besetzt, da fiel auch die knisternde Akustik nicht so sehr ins Gewicht.

Angela Krauß stellte an diesem Morgen ihr Buch „Wie weiter“ (Suhrkamp, 117 Seiten, 14,80 Euro) vor. In ihrem neuen Werk führt Krauß’ Ich-Erzählerin verschiedene Leben in den globalen Koordinaten der Weltgeschichte: Von einem Leipziger Mietshaus über New York bis nach Sibirien verteilen sich die Mosaiksteinchen der Erzählung. Im Hintergrund hört man stets die Stimmen der Großmutter und der Mutter, die ihre Tochter ermahnt, ihre „Liebesmenschen“ nie zu überfordern, „weshalb mehrere stets besser seien als einer“.

Autorin Krauß führt den Zuhörer auf charmante und entspannte Weise durch ihre Lesung, obwohl die Wegstrecke nicht immer ganz einfach ist. Ihre Werke gattungstechnisch einzuordnen, das fand auch Moderatorin Professor Dr. Sabine Doering „eine knifflige Aufgabe“, die sich am ehesten mit der Bezeichnung „biografisch poetische Fiktion“ lösen ließ.

Wie viel denn wohl von der Autorin in ihrer Prosa stecke, mag man da fragen. Da lacht Krauß hell auf und erklärt mit heiterer Bestimmtheit, wer schon so lange mit einer Ich-Erzählerin arbeite wie sie, der könne weder vor der eigenen Mutter noch vor dem Lebensgefährten und auch nicht vor Literaturprofessoren wirklich damit überzeugen, dass die Erzählerin nichts mit ihr selbst zu tun habe. Sie sei eher wie eine Hülle, in die sie als Autorin schlüpfe und dann wie eine Schauspielerin agiere.

Am Sonntag, 3. Dezember, macht die LiteraTour Nord wieder im PFL Station: Ab 11 Uhr liest Marlene Streeruwitz aus „Entfernung“.