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Literatur Kölschrocker zündelt im Stadion

Oliver Bloch

OLDENBURG - Ohne Lesebrille geht es dann doch nicht. Schließlich ist er Ende März 60 geworden. Wolfgang Niedecken erweckt allerdings den Eindruck, dass er sein Manuskript eigentlich gar nicht braucht. „Für ne Moment“ heißt seine jüngst erschienene Autobiografie, aus der er in der fast ausverkauften Oldenburger Kulturetage vorträgt (Verlag Hoffmann und Campe, 527 Seiten, 24 Euro). €

Bei einem Moment bleibt es nicht. Niedecken hat so viele Anekdoten aus seinem Leben vor und mit seiner Rockband BAP auf Lager, dass er drei Stunden problemlos füllt. Seine Autobiografie soll keine Selbstdarstellung, aber auch keine Beichte sein, wie Co-Autor Oliver Kobold einleitet. Niedeckens musikalische Lesung lebt vom Wechsel: Er singt auf Kölsch, spielt Gitarre und liest in seiner ersten Fremdsprache Hochdeutsch.

Aula leer gesungen

Dabei erzählt er zunächst von seiner Kindheit in den Kölner Nachkriegsjahren. Geschämt habe er sich für das spießige Wohnzimmer der Eltern. „Heute steht der Chippendale-Tisch in meinem Arbeitszimmer.“ So ändern sich die Zeiten. Es folgt der Sprung mitten hinein in die 70er. Niedecken gründet BAP. Doch ehe er den Kölschrock bundesweit salonfähig macht, erleidet er am Rhein Schiffbruch: „Wir haben die Aula der Pädagogischen Hochschule leer gesungen.“

Nach mehr als 30 erfolgreichen Jahren kann er darüber lachen. Doch nach dem Aula-Desaster macht Niedecken erstmal alleine weiter. Als Solist und „Südstadt-Dylan“ kommt er in Köln gut an. Davon profitiert auch BAP, entwickelt mehr Durchschlagskraft – auf und neben der Bühne. Nach einem Festival stellt Niedecken mit den Komplizen, so nennt er seine Mitstreiter, ein Hotel auf den Kopf. Und in einem Münchner Nobelcafé bestellen die Kölner beim verdutzten Barkeeper „En Kaste Bier unne Öffner“. So wie im heimischen „Chlodwig-Eck“. Wieder in Köln setzt BAP „das Müngersdorfer Stadion in Brand“. Als Vorband der Rolling Stones gelingt der Durchbruch.

Hilfe für Afrika

Niedecken legt eine kurze Pause ein, stimmt nachdenkliche Töne an. Er berichtet von seinen schrecklichen Erlebnissen in Uganda, wo ein Rebellenführer nachts Kinder entführen lässt, um aus ihnen Soldaten und Mörder zu machen. Das hat Niedecken nicht vergessen, er unterstützt Hilfsprojekte. Dann erinnert er an seine Eltern. Sein Vater starb 1980, als Niedecken in der für seinen „BAP“, wie der Kölner den Papa nennt, so unergründlichen Rock’n’Roll-Welt Fuß fasst. Das liegt jetzt 31 Jahre zurück: „Verdamp lang her“. Am Schluss der Lesung aber ganz gegenwärtig – für ’ne Moment’.

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