OLDENBURG - Ein klassisches Jubelbuch auf einen Verein ist es nicht, und das sollte es auch nicht sein: Dietmar von Reeken, Professor für Geschichtsdidaktik an der Universität Oldenburg, hat eine Chronik über den 90 Jahre alten Ollnborger Kring verfasst. Die Historie des Heimatvereins (nach den Gründungsjahren 3000 Mitglieder, heute knapp 200) wissenschaftlich in den Kontext der Stadtgeschichte zu stellen, war die Aufgabe, die ihm der Kring-Vorsitzende Dirk Hinrichs gestellt hat. „Mir ging es auch darum, dass ein Außenstehender die Chronik schreibt“, betont Hinrichs. Ein Konzept, dass dem Oldenburger Verleger Florian Isensee gefiel. „In dem Buch wird durchaus kritisch hinterfragt, was im Kring falsch gemacht wurde und Konsequenzen hatte“, sagt er.

Im Jahr 2008 war die Idee an Dietmar von Reeken herangetragen worden, im Herbst 2011 war sein Manuskript fertig, seit Freitag ist das Werk auf dem Markt. „För nedderdüütsch Aart un plattdüütsch Wort“ heißt der Titel des Buches (128 Seiten, 60 Schwarz-Weiß Abbildungen, Preis: 14,80 Euro) – gemäß dem Motto des Krings.

Er habe die Aufgabe gern übernommen, sagt von Reeken. Seit 20 Jahren beschäftige er sich mit der Geschichte der Heimatbewegung gerade auch in Nord-West-Deutschland. „Mich dem Mikrokosmos eines einzigen Vereins zu widmen, fand ich spannend.“ Als Haupt-Grundlage dienten ihm die 30 Kring-Bücher. „Es ist schon einmalig, dass ein Verein seine Geschichte vom ersten Tag an dokumentiert.“ Es gebe aber auch Lücken: 1932/33 und von 1938 bis 1946.

Die Entwicklung des Vereins in der NS-Zeit nimmt einen breiten Raum ein. „Hatte sich der Kring vor 1933 bewusst aus der Politik herausgehalten, so blieb ihm unter den Bedingungen des neuen Staates nichts anderes übrig, als sich zu positionieren. Man erhoffte sich durch die Machteliten auch eine Förderung der eigenen Anliegen“, weiß von Reeken. Für ihn überraschend war, dass der Verein gerade während der NS-Zeit stark nach außen wirkte: Abordnungen besuchten die Olympischen Spiele 1936 in Berlin und den Reichsparteitag der NSDAP 1936 in Nürnberg. Dokumentiert sind auch Auftritte in den Konzentrationslagern im Emsland.

„Ich rechne mit Kritik über das Buch auch aus den eigenen Reihen“, sagt Dirk Hinrichs. Aber der Diskussion stelle er sich gern.

Susanne Gloger
Susanne Gloger Redaktion Oldenburg