OLDENBURG - Der Mann ist schnell. Die gut 70 Zuhörer im Theater Laboratorium haben gerade ihre Plätze eingenommen, da ist Christian von Dithfurt schon auf der Bühne und wird gut gelaunt angekündigt: Gelesen wird bis Sonnabendmittag, dann folgt die Diskussion, und Sonnabendnacht ist das Signieren an der Reihe. Bedenkt man, dass es erst Montagabend ist, verspricht das eine Woche mit viel Sitzfleisch zu werden. Doch Scherz (kurzfristig) beiseite. Eine Stunde wird auf jeden Fall gelesen, so der Autor, dazwischen muss sich das Publikum allerdings Erklärungen zum Roman anhören – darf dafür aber auch Beleidigungen einwerfen.

Ein passender Auftakt für die Premiere: Der Sohn Hoimar von Ditfurths und Bruder der Politikerin Jutta Ditfurth las in Oldenburg erstmals aus dem Roman „Das Moskau-Spiel“ (Kiepenheuer & Witsch, 19,95 Euro), der kürzlich erschienen ist. Der Historiker, Journalist, Lektor und Autor, Jahrgang 1953, ist u. a. durch seine Arbeiten zur DDR-Vergangenheit bekannt. Zudem macht er erfolgreich mit Thrillern von sich reden.

Die Nachricht von einem Verkehrsunfall eines BND-Mannes bildet in „Das Moskau-Spiel“ den Auftakt für einen raffinierten Spionage-Thriller, der eine Brücke zwischen den 80er Jahren und der Gegenwart schlägt. Theo Martenthaler, Ermittler für Sonderaufgaben, wird nach Moskau geschickt, um die Formalitäten zu regeln, doch stößt er auf Hinweise, die aus dem Unfall eindeutig einen Mord machen. Dazu nimmt der Autor die Zuhörer mit in eine Moskauer Kneipe, wo Theo eine Informantin trifft, die ihm auf eine vermeintlich heiße Spur bringt . . .

Zu viel soll nicht verraten werden, und so ist tatsächlich nach einer Stunde Schluss. Eine so komplexe Handlung in kurzer Zeit auf einen verständlichen Nenner zu bringen, ist schon ohne Erkältung (mit einer solchen ist von Dithfurt angereist) schwierig genug, doch der Autor meistert die Aufgabe mit Geist, Witz, Taschentuch und einem Glas Rotwein.

So schnell vorbei? Das nennt man kurzweilige Unterhaltung.