OLDENBURG - OLDENBURG - Es fängt schon verspätet an. Dann aber kommt sie, und natürlich ist sie nicht mehr die Marianne Rosenberg, die man als Marianne Rosenberg stilisierte. Die einst „Er gehört zu mir“ trällerte. Die mit „Fremder Mann“ und „Marleen“ schöne Schnulzen landete. Die zur Ikone der Homosexuellenbewegung wurde.

Sie ist 51 und hat ihre Autobiografie abgeliefert. Nun ist sie da. Trotz Pumps eher klein als groß, stellt sie – eher routiniert als engagiert – ihre Memoiren „Kokolores“ vor (List, Berlin, 288 S., 19,95 Euro). Die Halle in Oldenburgs Kulturetage ist, vornehm gesagt, nicht überfüllt. Moderator Ulrich Bernstorf holpert vorsichtig durchs Gespräch, gibt aber nette Stichwörter. Und die Berlinerin rückt brav mit Antworten raus. Mit fünf wollte sie Sängerin werden. Ja, sie hatte ein schönes Leben, sagt sie. Das klingt so, als sei es schon rum. War authentisch, was sie einst als „Schlagertussi“ sang? Ja, sagt sie. „Bis ich das wahre Leben kennen lernte. Da merkte ich: Das ist ja nicht wie in meinen Liedern!“ Und dann lacht sie herrlich wie eine kleine Hexe über sich selbst.

Ihr Erfolg war der Erfolg der Sinti-Familie Rosenberg, da ist sie sicher. Ihr Vater, den die Nazis im KZ quälten, managte sie viele Jahre.

Zwischendurch liest sie nüchterne, manchmal kurzweilige Passagen über die Oma aus dem Osten, die ZDF-Hitparade, über Papa, Rio Reiser, den Wandel zur sozialkritischen Frau – „ein langer Weg“. Sie liest konzentriert, zuweilen verschmitzt. Seltsamerweise nicht aus dem Buch, sondern von Blättern.

Am Ende des Abends gibt es kein richtiges Ende. Pause soll sein. Ratlose gehen umgehend. Andere bleiben. Später taucht sie wieder auf. Unsere Diva signiert.

Manchmal sind Bücher besser als Veranstaltungen zu Büchern. Oder, wie hatte es Marianne Rosenberg ausgedrückt: „Autobiografie schreiben ist besser als Kartoffelschälen“.