• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Vom Zarenreich zur Revolution

16.02.2019

Oldenburg Erstmals ist eine deutsche Biografie des russischen Philosophen und Dichters Wassili Wassilowitsch Rosanow erschienen. Verfasser ist Rainer Georg Grübel, emeritierter Professor für Slawistik an der Uni Oldenburg.

Grübel hatte schon 2003 mit einem Werk über „Grenzen der Moderne“ auf Rosanow verwiesen, aber erst danach sind dessen originale Schriften in Bibliotheken zugänglich gemacht und erste Bände einer Werkausgabe veröffentlicht worden. Das Material ist so vielfältig, dass Rainer Grübel fast 20 Jahre an dieser Biografie gearbeitet hat.

In zwei Bänden schildert er nahezu minuziös das Leben Rosanows. Vor allem werden die zeit- und religionskritischen philosophischen Schriften des konservativen Schriftstellers untersucht. Rosanow kannte die europäische Geistesgeschichte, und Grübel benennt die vielfältigen Beziehungen des Autors zum Denken in der Antike bis zu Hegel, Nietzsche und den russischen Philosophen.

Mehr als 1700 Namen werden verzeichnet. Rosanow hat viele Schriften vor und nach der Publikation an Autoren geschickt, und deren Reaktionen hat Grübel zu seinen Untersuchungen herangezogen.

Die vernichtende Kritik von Trotzki hatte das Totschweigen Rosanows zwischen 1922 und 1988 bewirkt, die positive Resonanz Gogols hat Rosanow bewegt, ihn um Fürsorge für die Familie nach seinem Tod zu bitten.

Was das Buch darüber hinaus spannend macht, sind zahllose Anekdoten und Begebenheiten aus dem an sich nicht sensationellen Leben des russischen Autors, die dieser in seinen Schriften und mehr als 10 000 Briefen überliefert hat. Aus ihnen entwickelt Rainer Grübel ein dichtes Geflecht von Reaktionen, Begegnungen und Disputen. Rosanows ambivalente Haltung, jetzt für eine These zu sprechen und später dagegen zu sein, ermöglicht, aus der Perspektive Rosanows das Für und Wider zur Orthodoxie, Christentum, semitischen Völkern, Sozialrevolutionären und Bolschewiki zu erörtern.

Auch im Alltag spielte die Ambivalenz mit Rosanow. Er wurde am 20. April/2. Mai 1856 in Wetluga, Provinz Kostroma, geboren. Der Vater war Forstbeamter, er starb 1861, seine Mutter 1870. Die Waise besuchte Gymnasien in Wetluga, Simbirsk und Nishni Nowgorod und studierte von 1878 bis 1882 Geschichte und Philologie in Moskau.

Dort verliebte er sich in die 18 Jahre ältere Apollinaria Suslowa, die als 20-Jährige die Geliebte Dostojewskis war. Der Student Rosanow bekam überraschend die Heirats-Erlaubnis, verbrachte seine Zeit aber lieber mit Schreiben als mit seiner Frau. Sie trennten sich, wurden aber nicht geschieden, so dass Rosanow mit seiner zweiten Frau Wawara Butjagina eine „illegale“ Ehe führen musste. Sie bekamen fünf Kinder. Obwohl Rosanow das Familienleben schätzte, das er als Kind kaum erleben konnte, kam er in philosophischen Gedanken, die sich um die Seele drehen, zu dem Ergebnis „Alle Menschen sind solo“.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.