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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ein Halbstarker fühlt sich ganz stark

10.09.2018

Oldenburg Eigentlich geht jungen Leuten der Satz „Ich krieg’ die Krise“ locker von der Zunge. Doch Siegfried ist in der Wagner-Oper dieses Namens (Premiere am 22. September) weit weg von queren Gedanken. In den Krisenmodus kommt er erst ein Werk später, in der „Götterdämmerung“. Am Opern-Anfang ist er 18 und ein, sagen wir es mit dem antiken Begriff, solider Halbstarker. „Da ist er einfach gut drauf“, erklärt Stefan Mickisch (56) im Großen Haus des Staatstheaters.

Mickisch zeigt sich für mehr als zwei Stunden Hintergrund-Aufdeckung der dritten Oper des „Rings des Nibelungen“ ebenfalls konditionsstark und konzentriert. Der Pianist, Komponist, Musikwissenschaftler und vor allem Wagner-Experte hat eine eigene Form der Präsentation entwickelt: Eine Art intensiven Plauderton, unterbrochen von thematischen Einwürfen, abgerundet mit längeren musikalischen Passagen und Abschweifungen zu verblüffend parallelen Werken. Dann liegen Motive von Wagner und ihre Entwicklungen gar nicht weit weg von Tschaikowsky, Richard Strauß, Brahms, Beethoven oder sogar Rossini.

Wenn Mickisch sich mit dem Instrument verbündet, dann bricht der Wagner-Fanatiker in ihm durch – aber einer der überaus angenehmen Sorte. „Intelligente Leute befassen sich mit Wagner“, sagt er. Dazu blinzelt er auch mal ins Publikum.

Den Tonarten hat der Komponist Personen, Figuren oder Situationen zugeordnet: „F-Moll steht für den Drachen, E-Dur für den Waldvogel, g-Moll für einen Wotan in Not, C-Dur für die Erweckung Brünhildes durch Siegfried.“ Wenn Wotan sich als Wanderer tarnt, dann wird keine Tonart besetzt. Mickisch spekuliert: „Es ist gut, die Tonart des Gegners zu kennen, dann weiß man, wie man ihn angehen muss.“

Halbstark fühlt sich Siegfried ganz stark. Er schmilzt die Bruchstücke des zerbrochenen Schwertes Nothung ein und schmiedet die Waffe ganz neu. „Da bricht Wagners revolutionäre Sichtweise durch“, nickt der Erklärer. „Auf dem zerbrochenen Alten baut er das Neue auf.“

Die umstürzlerische Kraft hat noch andere Seiten: „Siegfried, der Mann der Zukunft, erkennt rasch, dass Ordnungen zerstört werden müssen, wenn sie hinderlich werden.“ Sein Ziehvater, der Zwerg Mime, und der Riese Fafner in Drachengestalt gehen als Erste drauf.

Nachdrücklich verweist Mickisch auf die Gedanken des Schweizer Publizisten und Esoterikers Rudolf Steiner zu Musik und Philosophie. „Grundsätzlich ist ja auch Wagner esoterisch zu deuten“, meint er. „Da sollte man sich einarbeiten.“

Tja, 16 Stunden für die vier Opern im „Ring“. Dazu vier ausgewählte dicke Bände Steiner. Nicht auszuschließende Reaktion: „Ich krieg’ die Krise?“

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