Oldenburg - 175 – 70 – 30: Das sind die Maße des aktuellen Meisterkonzertes, die Wilhelm Büttemeier aus dem Vorstand des Oldenburger Kunstvereins in seiner Eröffnungsrede hervorhebt. Es jubiliert ganz kräftig an diesem Freitagabend im Alten Landtag: Der Kunstverein feiert sein 175-jähriges Bestehen. Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen sich Oldenburger Kunstfreunde die „Belehrung über Kunstgegenstände und Förderung des Kunstsinns“ zur Aufgabe und gründeten am 22. Januar 1843 den Kunstverein, der zügig eine zentrale Rolle im kulturellen Leben Oldenburgs einnahm und bis heute 850 Ausstellungen organisiert hat.

Das 3. Meisterkonzert stand ganz im Zeichen des großen Jubiläums. Und mit dem Minguet-Quartett war gleich ein weiterer Jubilar eingeladen. Seit 30 Jahren besteht das Streicherensemble, das sich vor allem mit der Interpretation Neuer Musik hervorgetan hat. Das war auch an diesem Abend deutlich zu spüren. Peter Ruzickas Streichquartett Nr. 3 war ein Erlebnis. Aus gesundheitlichen Gründen musste der Komponist, der im September dieses Jahres seinen 70. Geburtstag feiert, seine Teilnahme kurzfristig absagen. Sein Werk mit dem Untertitel „... über ein Verschwinden“ entstand ganz unter dem Eindruck des Todes seiner Mutter. Über zischende Atemgeräusche, klagende Glissandi, verstummenden Puls und brutale Pizzicati wird der Zuhörer fast physisch mit hineingezogen in diesen ganz intimen Moment des Abschiednehmens. Tröstliche Gestalt nehmen vor dem Hintergrund die an Mahlers 9. Sinfonie angelehnten tonalen Einwürfe an.

Weit routinierter wirken die Streicher in den Klavierquintetten von Antonin Dvořák (A-Dur op. 81) und Robert Schumann (Es-Dur op. 44). Dass Routine dabei nicht nur Vorteile mit sich bringt, offenbart sich vor allem an Dvořáks Musik. Die Streicher begeben sich in ein perfektes Nebeneinander, wo man sich mehr Miteinander wünscht und überdecken nicht selten den sehr feingliedrig interpretierenden Pianisten Matthias Kirschnereit. Mehr Kantabilität und weniger Mechanisches wünscht man sich und findet es vor allem bei der Bratscherin Aroa Sorin, die mit ihrem seelenvollen Spiel heraussticht.

Mit einem weiteren Jubilar endet das Konzert: Schumanns Klavierquintett wurde im Januar 1843 in Leipzig uraufgeführt und beeindruckt in Oldenburg an diesem Abend ganz besonders mit seiner Klangmächtigkeit.