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Melanie Lang Vom Staatstheater Unterwegs mit einem Mörder

Horst Hollmann

Oldenburg - Liebhabern von übersichtlich strukturierten Lebensläufen kann ein solcher spanisch vorkommen: In den USA geboren, in Großbritannien aufgewachsen, als Staatsangehörige Österreicherin und beruflich in Deutschland etabliert.

„Passt prächtig!“ sagt Melanie Lang. Diese Biografie ist schließlich ihre eigene. Und die 35-jährige Mezzosopranistin am Oldenburgischen Staatstheater fügt ihr eine Zahl hinzu, die zu dieser Universalität passt: Fünfzig! Am 23. März singt sie ihre 50. Bühnenrolle, die der Sister Helen Prejean in Jake Heggies Oper „Dead Man Walking.“ Lang nennt die Rolle ihre „bisher herausforderndste“, trotz vorher Carmen, Dorabella, Fricka oder Miss Quickly.

Schicksalhafte Wendung

Bei einem Vorsingen zum Schulmusical war ihr einst schicksalhaft die Frau des Direktors in den Weg getreten – eine Opernsängerin. Durch sie kam sie zu ersten Gesangsstunden und, wichtig: zur Wertschätzung der eigenen Stimme. Im Sinne eines seriösen Lebenslaufs hatte sie sich nach dem Abschluss zwar in Edinburgh für ein Geschichtsstudium eingeschrieben. Doch „einfach mal so“ meldete sie sich in London noch zum Vorsingen an der Guildhall School of Drama. 800 Leute bewerben sich dort pro Jahr, 20 werden ausgewählt. Da kam die zweite schicksalhafte Wendung: Sie wurde auf Anhieb bei diesem Institut angenommen, das ein Türöffner zur Opernwelt ist.

Premiere am 23. März

Sister Helen ist die 50. Bühnenrolle von Melanie Lang. Sie tritt damit ab 23. März (Sonnabend, 19.30 Uhr, Großes Haus) in der Oper „Dead Man Walking“ von Jake Heggie auf. Regie: Olivia Fuchs, musikalische Leitung: Carlos Vázquez.

Bisher war die Mezzosopranistin in Klassikern wie „Hänsel und Gretel“ von Humperdinck, „Cosi fan tutte“ oder „Zauberflöte“ von Mozart, „Cenerentola“ von Rossini, „Madame Butterfly“ von Puccini, „Lady Macbeth von Mzensk“ von Schostakowitsch bis hin zu sechs Verdi-Opern zu erleben.

Die hat sie 2009 in Düsseldorf betreten. Im Opernstudio der Deutschen Oper am Rhein wurde sie 2010 als „beste Nachwuchssängerin in Nordrhein-Westfalen“ benannt. 2011 kam sie nach Kaiserslautern: „Dort habe ich, weit weg von der Familie, viel fürs Leben gelernt.“ Seit 2014 gehört sie zum Oldenburger Ensemble.

Die meisten Rollen sind an diesen drei Häusern zusammengekommen, von der Margret in Alban Bergs „Wozzeck“ bis zur Jepantschina in „Der Idiot“ von Mieczyslaw Weinberg. Andere gab es bei Gastspielen in Dortmund, Innsbruck, London, Salzburg, Berlin oder gerade aktuell in Leipzig. Sprache: Russisch, Französisch, Italienisch, Englisch und Sanskrit.

Lang kann ebenso herzlich offen wie kritisch sein. Sie entwickelt eigene Vorstellung zur Psyche der Figuren, „da probiere ich gern etwas aus“. Da mag man auch mal mit der Regie aneinanderrasseln, „doch es geht dann alles irgendwie immer“. Ist jemals aufgefallen, dass sie auf der Bühne einen Charakter lieblos abgewickelt hätte?

Was nun diese „herausforderndste Rolle“ im Großen Haus angeht: „Das ist in der Bühnendarstellung und auf der musikalischen Ebene ein harter Brocken“, sagt Lang. Es geht um die Hinrichtung des Mörders Elmo Patrick Sonnier nach sieben Jahren in der Todeszelle. Die katholische Ordensschwester Helen Prejean hat ihn auf diesem Weg begleitet. Sie verarbeitete ihre Erfahrungen im Todestrakt 1993 im Buch „Dead Man Walking“. Zwei Jahre später entstand der mit Preisen überhäufte Film. 2000 wurde Heggies Oper uraufgeführt.

Mit der echten Helen in den USA steht Lang in Verbindung. „Sie strahlt selbst über den Kontakt per E-Mails eine unglaubliche Stärke aus“, berichtet die Sängerin.

Ohne Orchester

Bei aller Vertiefung, bei allem Aufgehen in den Rollen: „Jede Karriere kann rasch zu Ende gehen“, gibt sie zu bedenken. „Im Hintergrund habe ich immer Pläne B.“ Sie könnte Gesang unterrichten; oder ein Psychologiestudium wäre reizvoll. Der Opernbetrieb liefert jede Menge Hintergrund: Welche Rollen lebt man so intensiv, dass sie einen auffressen? Wie kommt man davon zurück? „Es gibt Rollen, die spürt man schon vorher im Körper“, sagt die Sängerin. Sie selbst kann „gerade die intensiven hinterher gut ablegen, weil sie bei aller Anspannung glücklich machen.“

Die Nummer 50 hält mit dem ersten Ton eine ganz neue Herausforderung vor: „Es ist eine Oper mit großem Ensemble. Doch ich eröffne sie auf der Bühne ganz mutterseelenallein a cappella, ohne Orchester, ohne mich auf einen anderen Ton zu stützen. Da muss man voll in der Rolle stecken.“

Und danach bleibt sie fast durchgehend auf der Bühne.

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