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Mercedes Benz 200 D Dieser Oldenburger Oldtimer feiert seinen 50. beim TÜV

Oldenburg - Sekt wollte sie eigentlich mitbringen. Aber mit Alkohol zum TÜV? „Das wäre vielleicht doch nicht so gut“, hatte Barbara Klebinger dann entschieden. Einen Grund zum Anstoßen hätte die 66-Jährige nämlich gehabte. Ihr Auto, ein Mercedes Benz 200 D der Baureihe W 115, einsogenannter Strich 8, feierte am 3. Februar den 50. Jahrestag seiner Erstzulassung und wurde gleichzeitig zum 25. Mal zur Hauptuntersuchung beim TÜV-Nord vorgefahren.

Zwei Jubiläen also. Für ein Auto, das immer im Familienbesitz war, das nie abgemeldet worden ist, und nur einen Unfall gehabt hat. „Der ist top“, wusste Reinhard Baasens schon, als er den Strich 8 auf die Hebebühne der Prüfhalle fuhr. Und der stellvertretende Leiter des TÜV Nord kennt die Schwachstellen der Oldtimer.

Mindestens 30 Jahre müssen nach der Erstzulassung vergangen sein, damit ein Auto überhaupt als Oldtimer eingestuft werden kann. Fünf bis zehn Prozent der beim TÜV vorgeführten Wagen fallen laut Baasen in diese Kategorie. Aber solch treue Stammkunden wie Barbara Klebinger und ihr Strich 8 seien unter den Seltenheiten die Ausnahme. Reinhard Baasen war dann auch auf diesen Wagen und dessen Halterin besonders vorbereitet. Einen riesigen Blumenstrauß gab es von ihm für Barbara Klebinger, anstatt Sekt von ihr für ihn. Was für eine Überraschung.

Gelassen nahm Boxerhündin Belladonna alles hin. Die saß im Fond auf den roten Kunstledersitzen und beobachtete, was der Mann vom TÜV da so alles mit dem weißgrauen Auto anstellte.

Zeit also, um mit Barbara Klebinger einen dicken Aktenordner durchzugehen. Darin ist alles festgehalten, was den Oldtimer betrifft. „Ich habe die Buchhalterseele meiner Mutter geerbt“, erklärt die 66 Jahre alte Steuerberaterin ihren Sinn dafür, alles schön abzuheften. Was ihre Mutter Elfriede begonnnen hatte, führte sie weiter. Und so kann man alles nachlesen: von der Bestellung, über den ersten Ölwechsel, dem Entfernen der Spikes aus den Reifen bis hin zu aktuellen Treffen des Old- & Youngtimer-Clubs Rastede, in dem Barbara Klebinger Mitglied ist.

Kaufpreis 12 872,67 DM

Aus ihrer Erinnerung weiß sie noch, dass ihr Vater Karl Erhards sich im Juli 1969 das Auto bei Mercedes Schwarting in der Alexanderstraße bestellt hatte. Eine Wartezeit bis Mai 1970 war in Aussicht gestellt worden. „Gern vorher“ hatte Erhards, der eine Autolackiererei in Ofenerdiek betrieb, noch vermerken lassen. Und so kam es dann auch: Im Februar stand die Familienkutsche vor der Tür. Genau 12 872,67 DM (mit Extras) hat der Wagen damals gekostet.

Bis zu seinem Tod im Jahr 1981 war Karl Erhards Halter des Wagens. Dann übernahm ihn seine Frau. „Meine Mutter hatte auch den Unfall. Das war auf der A1 bei Soltau“, erinnert sich die Tochter. Nach dem Blechschaden ist der Strich 8 in wenigen Teilbereichen nicht mehr im Originalzustand.

Seit dem neuen Jahrtausend sitzt Barbara Klebinger am Steuer. „Ein Schönwetterauto“ sei der Oldie, sagt sie. Nicht etwa, dass der Wagen mit einem Gewicht von 1,34 Tonnen sich bei Regen und Schnee nicht lenken lasse. Nein, seine Eigentümerin möchte das Auto einfach vor nasskalter Witterung schonen. So ab Mai holt sie es aus dem angemieteten Winterquartier. „Keine kleine Garage, sondern eine große Halle mit guter Luft. Denn Schwitzen ist der Tod für einen Oldtimer“ weiß die Ofenerdiekerin.

122 290 km gefahren

Ist dann Oldtimersaison, lässt Barbara Klebinger ihren VW Golf stehen und fährt den Diesel. Ein ADAC-Sicherheitstraining hat sie mit ihm schon absolviert, beruflich ist sie mit den 55 Pferdestärken durch ganz Deutschland gekurvt. 122 290 zeigt der Kilometerzähler jetzt an. „Höchstgeschwindigkeit 130 Stundenkilometer“, zitiert TÜV-Prüfer Baasen aus dem Fahrzeugschein. Die Fahrerin weiß es besser: „Spitze 151 km/h bergab bei Siegen und 68 km/h bergauf bei Siegen.“

Reinhard Baasen kann ihre Begeisterung für den Wagen nachfühlen. Aber eben auch aus Sicht des Fachmanns: „Nichts ist verrostet, alles super.“ Dafür gab es dann wieder die TÜV-Plakette. Man sieht sich in zwei Jahren.

Ein neues Auto will sich Barbara Klebinger übrigens auch irgendwann kaufen: „Beim Wasserstoffauto bin ich dabei.“

Susanne Gloger
Susanne Gloger Redaktion Oldenburg
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