OLDENBURG - 650 nichtstaatliche Museen gibt es in Niedersachsen. Sie werden durch Fördervereine und Ehrenamtliche betreut. Eines davon, das Technikmuseum Aeronauticum für Marineflugzeuge in Nordholz bei Cuxhaven, wurde von der Universität Oldenburg drei Jahre lang durch eine interdisziplinäre Studie begleitet. Am Donnerstag stellten die Forscher ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit vor.
Grundthese des Buches „Unternehmen Museum“: Die traditionellen Aufgaben eines Museums – Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln – müssen „um die unternehmerische Dimension ergänzt“ werden. Daher appellieren Historiker, Soziologen, das Institut für technische Bildung (ITB) und die Betriebswirtschaft an die öffentliche Hand, die nichtstaatlichen Museen finanziell „auf niedrigem Niveau zu unterstützen“, wenn diese langfristig überleben sollen.
Ein Museum von der Größenordnung des Aeronauticum benötigt rund 150 000 Euro Zuschuss im Jahr, um eine „vernünftige Museumsarbeit“ zu machen, sagt Prof. Dr. Gert Reich vom ITB. Zum Vergleich: Staatliche Museen werden mit mehreren hunderttausend bis Millionen Euro jährlich subventioniert.
Das Aeronauticum brauche, wie andere Museen auch, eine eigenständige betriebswirtschaftliche Kompetenz, sagt Wirtschaftsprofessor Dr. Reinhard Pfriem. Dazu gehöre ein Wirtschaftsplan, aber auch die Orientierung an Zielgruppen, die Verbesserung der Gastronomie, ein Museumsshop, der Bereich Museumspädagogik und „Events“ wie Jazzfrühschoppen oder anderes. Das Forscherteam hatte dem Aeronauticum neue Konzepte vorgeschlagen, doch leider sei nicht alles angenommen worden, bedauert Reich.
Die Forscher betonen, dass wissenschaftliche Beratung jedem Museum guttue. Sie böten ihr Fachwissen gern auch anderen Einrichtungen an.
