OLDENBURG - Die Amerikanerin stellt ihre neue CD „Careless Love“ vor. In Frankreich gilt Madeleine Peyroux bereits als Star.

Von Karsten Krogmann

OLDENBURG - Eigentlich müsste das jetzt knistern und rauschen, tut es aber nicht. Still ist es in der Welt der Madeleine Peyroux, nur das Schlagzeug raschelt leise. Ein Kontrabass schleicht sich ins Lied, das Klavier an der Hand, und dann stupst einen auch schon diese dunkle Stimme an, ganz zärtlich. „Hallo“, scheint sie zu flüstern, „kennt ihr mich noch? Von früher, als die Schallplatten noch knisterten und rauschten?“

Ja, kennen wir. Damals trug die dunkle Stimme Namen wie Billie Holiday. Sie sang in finsteren Jazzclubs den Blues, hieß auch mal Josephine Baker oder Nina Simone, und irgendwann begannen neue Zeiten. Bis viele Jahre später Madeleine Peyroux, gesprochen „Peru“, endlich wieder den Blues sang. Diesmal auf CD und knisterfrei.

Die „neue Billie Holiday“, wie sie das „Time“-Magazine in Amerika und der „Stern“ in Deutschland nennen, wurde vor 30 Jahren in Amerika geboren. Später zog sie nach Frankreich, wo sie im Quartier Latin den Jazz fand. Sie trat auf der Straße mit der Lost Wanderin Blues & Jazz Band auf und wurde von einer großen Plattenfirma entdeckt. Mit nur 22 Jahren nahm sie das Album „Dreamland“ auf, bekannte Jazzmusiker halfen ihr dabei. Madeleine Peyroux war in Frankreich und Kanada ein Star. „Das war toll“, sagt die Sängerin, „ich traf berühmte Leute wie Nina Simone.“

Still ist es, die dunkle Stimme singt immer noch den Blues. Sie schmiegt sich an den Grundton, steigt über ihn hinweg, lässt sich wieder fallen, macht es sich im Vibrato gemütlich. Der Kontrabass fächelt ihr Frischluft zu, das Schlagzeug raschelt leise. „Weary Blues“ heißt das Lied, Hank Williams hat es geschrieben. „Ich könnte weinen“, singt Madeleine Peyroux darin.

Sie weinte nicht, als die Plattenindustrie in die Krise geriet und die junge Madeleine ihren Vertrag verlor. Sie sang weiter den Blues, jetzt wieder auf der Straße. Erst acht Jahre später, 2004, folgt Album Nr. 2: „Careless Love“. Es klingt erwachsener als das erste, leiser, dunkler. In Frankreich und in Kanada wurde Madeleine Peyroux damit ein zweites Mal zum Star.

Jetzt will sie Deutschland erobern. Heute Abend singt sie in Oldenburg, Kontrabass und Klavier begleiten Madeleine Peyroux. Und das Vorprogramm bestreiten natürlich ihre Freunde von der Straße, die Lost Wanderers.