• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Edelschmalz kunstvoll aufs Brot gestrichen

03.01.2018

Oldenburg Dringend müssen Fabian Boreck, Norbert Körner, Eiji Ohashi und Volkmar Stickan eine Protestnote an die Leitung des Oldenburgischen Staatstheaters richten.

Diese vier von sechs Cellisten des Staatsorchesters könnten schreiben: „Hey Chef, nichts gegen Arbeitszeit-Verkürzungen. Aber in der Wilhelm-Tell-Ouvertüre hätten wir gern länger Fürsprache für unser Instrument gehalten. Schließlich ist das Cello zum Instrument des Jahres 2018 gewählt worden.“

Was ist in den drei ausverkauften Neujahrskonzerten im Großen Haus passiert? Dirigent Vito Cristofaro hat den ersten Teil der Ouvertüre von Gioacchino Rossini einfach gestrichen, diesen ausschweifenden Gesang der Celli. Stattdessen: Fanfare – und zack steigen alle direkt ins galoppierende Vivace ein, in dieses herrlich veräppelnd auf jedes Pferdegetrappel wirkende Finale.

Was kann Christian Firmbach zur Rechtfertigung vorbringen? „Ein altes Jahr lässt man am Ende besinnlich Revue passieren“, könnte der Generalintendant erklären. „In ein neues pfeffert man aber hinein.“ Das hat er so nicht gesagt. Aber in seiner Moderation befeuert er das mitreißende Treiben im musikalischen Potpourri aus 22 Ohrwürmern einschließlich Zugaben kräftig.

Rossinis Hits sind bekannt, die von Verdi ebenso. Ob der Florentiner Marsch von Julius Fucik komponiert wurde, taugt auch nicht als 100 000-Euro-Frage. Doch Quirino Mendoza y Cortés? Grigoras Dinico? Gerónimo Giménez y Bellido oder Luigi Denza? Tja, die Jungs streichen Edelschmalz aufs Kaviarbrot. Ihre Werke heißen Celita lindo, Inbegriff mexikanischen Stolzes. Oder Hora staccato, La Tarántula. Und Funiculi, funicula.

Für den sicheren Transport in die Ohren zuständig zeigen sich neben dem charmant zwischen spritziger Banalität und feiner Kunst balancierenden Staatsorchester Martyna Cymerman (Sopran), Hagar Sharvit (Mezzosopran), Jason Kim (Tenor) und Kihun Yoon (Bariton). Das Gesangsensemble genießt derzeit hohes Ansehen. Diese vier repräsentieren es prächtig in ihrer Ausstrahlung, Stimmkultur, Farbigkeit, Gefühlstiefe, im abgestuften Timbre, zudem jeder mit persönlichem Charakter.

Da halten sich auch Cristofaro und Firmbach nicht zurück. Der Kapellmeister liefert sich in seinem bisher wenig bekannten Talent als Geiger in Fernando Obradors „El Vito” ein köstliches musikalisches und schauspielerisches Duell mit Konzertmeister Dmitriy Isakov. Und in der Amboss-Polka von Josef Strauss greift der Intendant selbst zu den Hämmern.

Hey Chef, das klingt ja richtig schlagfertig!

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.