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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Eine Begabung auf dem Sprung

09.11.2018

Oldenburg Üben macht nicht wirklich Spaß. Das ist ein Satz, mit dem Schüler und Lehrer die größte Übereinstimmung untereinander erzielen. Auch Annina Pritschow nickt dazu, schiebt jedoch hinterher: „Aber es gibt Phasen, in denen Üben richtig Spaß machen kann.“

Offensichtlich haben bei der 19 Jahre alten Geigerin aus Oldenburg solche Zeiten überwogen. Seit 15 Jahren spielt die Abiturientin ihr Instrument. Wenn da nicht strikte Disziplin, eigener Antrieb und stete Neugier ineinandergreifen, dann klappt das über einen solchen Zeitraum nicht.

Heikle Spannung

Gerade hat Annina das Violinkonzert g-Moll von Max Bruch gespielt, mit dem Schlossorchester. Auch im a-Moll-Opus von Alexander Glasunow hat sie schon mit der Kammersinfonie begeistert. Das sind gefühlsbeladene und technisch herausfordernde Werke. Die streichen auch große Begabungen nicht einfach so herunter. Und man muss emotional eine heikle Spannung zwischen Nähe und Distanz aufbauen.

Steht sie also, mit musikkundigen Eltern im Rücken, auf dem Sprung zu einer Solokarriere?

„Nein”, sagt die Preisträgerin bundesweiter Jugendwettbewerbe, „das ist nicht mein Ziel, obwohl die Sololiteratur immer reizt.“ Sie zieht es ins Orchester. „Dort zu spielen, ist mein Berufswunsch.“ Ihre Argumente leuchten ein: „Man muss sich darüber klar werden, dass man als Solistin auf sich allein gestellt ist. Meine Welt ist es eher, gemeinsam zu musizieren, in großer Besetzung ebenso wie in der Kammermusik. Wie viel Freude das bereiten kann, habe ich kennengelernt.“

Manchmal prägen frühe Erlebnisse viele folgende Jahre. Mit Vier hat sie in der Musikschule fasziniert gelauscht, wie eine Violine über die Wirbel gestimmt wurde. „Was für eine Klangwelt!“ beschreibt sie ihre noch unbewussten damaligen Empfindungen mit heutigen Worten. Das Feilen am Klang, das Ineinandergreifen mit anderen Stimmen, das Suchen nach feinsten Mischungen, das ist ihr Antrieb.

Julienne Riedel an der Städtischen Musikschule nahm die Fünfjährige unter ihre Fittiche. Früh kam sie zum Ensemblespiel, mit Elf nahm das Oldenburger Jugendorchester sie auf, mit 14 wurde sie dort Konzertmeisterin. Das ist eine Position, zu der mehr gehört, als flott Geige zu spielen. Da vertritt sie vorneweg das große Wir, das ein Orchester ausmacht. Birgit Rabbels aus dem Staatsorchester hat ihr das auch neben aller instrumentalen Technik vermittelt. Bei Christiane Hutcap in Rostock wird die Oldenburgerin an der Hochschule für Musik und Theater im März ihr Hauptstudium beginnen.

Freunde finden

Eine Unbekannte ist sie seit ihrem Frühstudium ab 2015 dort bei der Professorin nicht. Sie gehört bereits zur „yaro”, der „young academyrostock”, die seit 2008 als internationales Zentrum für Hochbegabte gilt. Erfahrung hat sie bereits in vielen Ensembles gesammelt. Mit der Norddeutschen Orchester-Akademie saß sie in der Elbphilharmonie; mit der Neubrandenburger Philharmonie ist sie aufgetreten. Umfangreich waren die Projekte mit dem Bundesjugendorchester, dem deutschen Nachwuchs-Vorzeigeklangkörper.

Herumgekommen ist sie in Indien, der Ukraine, Rumänien, Italien oder China. „Da nehme ich so viel wie möglich zum Lernen mit”, sagt sie. Und lachend fügt sie an: „Ich habe so viele Freunde gefunden, ich könnte in jeder größeren Stadt bei jemandem übernachten.“

Fest ist sie als Konzertmeisterin ins Bremer Landes-Jugendorchester eingebunden. „Dort hat sich bei mir die Überzeugung gefestigt, dass Orchesterspiel überaus attraktiv ist,” erzählt sie. “Wir erarbeiten für den April in der Hamburger Laeiszhalle und in der Bremer Glocke das Cellokonzert von Dvorak und das Heldenleben von Richard Strauss. Das hat ein geradezu riesiges Violinsolo, da freue ich mich heute schon drauf.“

Orchesterspiel hat schon was. Nicht nur wegen der manchmal günstigen Bleibe.

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