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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Eine Indizienkette gegen Bach

03.05.2019

Oldenburg Mit selbstironischem Bedauern hat Johannes Brahms unter den Strauss-Walzer „An der schönen blauen Donau“ geschrieben: „Leider nicht von mir!“ Gleiches hätte Johann Sebastian Bach (1685–1750 ) kaum unter seiner Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 notieren können. Denn möglicherweise kannte er dieses Orgelwerk, eins der berühmtesten der Musikgeschichte, gar nicht. Die Frage ist bis heute unbeantwortet: Wer komponierte BWV 565?

Ein Konzert des Barockensembles Altera pars am 5. Mai (Sonntag, 18 Uhr) im Oldenburger Schloss stößt dieses Rätsel wieder an. Neben Ensemblemusik und Konzerten des Thomaskantors enthält das Programm Toccata und Fuge d-Moll – in einer Fassung für Violine solo. Es ist ein Gegenentwurf zu den Versionen für große Orchester.

„Eine solche Fassung ist legitim“, sagt Flötistin Polina Gorshkova, die Leiterin von Altera pars. „Toccata und Fuge wirken auf der Geige absolut stimmig. Es ist elektrisierend, das mal so zu hören.“ In der Tat: Viele der quicklebendigen Läufe scheinen wie für eine Violine zugeschnitten. Und: „Vorlage für das monumentale Werk soll ja eine Violinstimme gewesen sein.“

Bisher galt eine Vermutung, dass der gerade 18 Jahre junge Bach diese mitreißende Musik um 1703 zur Bewerbung auf seine erste Kantorenstelle im thüringischen Arnstadt entworfen habe. Doch nie ist eine Notation schriftlich festgehalten worden. Erst nach seinem Tod erschien 1750 eine fremde Abschrift. Zweifel an Bachs Urheberschaft sind seitdem nie verstummt.

Gemessen an seiner Könnerschaft gilt das Werk als „unbachisch“. Der schlichte harmonische Satz, die vielen Quint-Parallelen, die Bach sonst stets mied: nicht sein Stil. 1971 merkte ein Forscher an: „Ein Student im Fach Fuge besteht mit einer solchen Arbeit nicht das Examen.“ Da fügt sich die These des britischen Bachforschers Peter Williams von 1981 ein: „BWV 565 ist die Orgelbearbeitung einer Violinkomposition und nicht von Bach!“

Trotzdem gibt es gute Argumente für Treue zum Größten. Kirchenmusikdirektor Tobias Götting von St. Lamberti in Oldenburg schlägt sich auf die Seite der Bach-Gläubigen: „Ich sehe einfach den übermütigen Streich eines jungen Genies. Mit dem Werk lässt sich prächtig eine Orgel prüfen. Bach war ja damals schon Sachverständiger. Das war sein Einstieg in Arnstadt.“

In den Verdacht einer Autorschaft von BWV 565 ist zunehmend Johann Peter Kellner (1705–1772) geraten: bescheidener, aber wissbegieriger Kantor und Lehrer im Dorf Gräfenroda in Thüringen. Dieser Organist und Notensammler stand lange einem Freundeskreis von Musikern vor. Sie verehrten Bach und wurden von ihm mit Noten versorgt. Kellners heutiges Ansehen basiert auf seinen Kopien Bachscher Werke. Ohne seinen Eifer wären etliche gar nicht erhalten geblieben.

Es gilt als relativ gesichert, dass eine Violinstimme über Bach zu Kellners Freundeskreis gelangt ist. Der Vision, dass Kellner diese Vorlage zu Toccata und Fuge fortgesponnen haben könnte, ist im Jahr 2000 der Musikwissenschaftler Stephan Emele nachgegangen. Akribisch hat er in seinem Staatsexamen die Parallelen zu Kellners Kompositionsstil aufgelistet und verdichtet. Fazit: Es steckt viel Kellner in diesem Bach!

„Als starke Indizienkette“ sieht Peter Harder die Beweislage. Der Gräfenrodaer Kantor ist Vorsitzender der Johann-Peter-Kellner-Gesellschaft - und auch ein abwägender Mann. „Mindestens eine Symbiose beider Komponisten“ hält er bei aller Vorsicht in der Bewertung für möglich. „Auf jeden Fall hat Kellner wesentlichen Einfluss auf die kompositorische Entwicklung genommen.“

Im September 1728 hat Bach offensichtlich Kellner besucht. Niemand wird je erfahren, was der 43-Jährige und der 23-Jährige auf der Empore besprochen und gespielt haben. Die Orgel in Gräfenroda besaß seit 1703 alle technischen Grundlagen für Toccata und Fuge d-Moll – die kleinere in Arnstadt dagegen nicht.

Da lässt es sich doch trefflich spekulieren.

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