OLDENBURG - Hinter Franz Schuberts Impromptus lauern die Gefahren. Diese kleinen Klavierstücke rauben wenig Zeit, huschen in wenigen Minuten vorbei. Passt ideal. Aber dann! Ihre Rätsel können den Hörer unendlich lange aufhalten. Jedes gelüftete Geheimnis provoziert fünf neue. Schubert, eine lebenslange Suche.

Bei der 13. Oldenburger Promenade schränken Sebastian Knauer und Gudrun Landgrebe die Entdeckungsarbeit auf 45 Minuten ein. So lange dauert jedes der 18 Miniatur-Konzerte in Schloss, Schlossgarten und Lambertikirche. Pianist Knauer als Autor lässt die Schauspielerin aus fiktiven Erinnerungen von Schuberts erster Geliebter Therese lesen. Wenn die innovative Intendantin Elena Nogaeva diesmal betont das Wort neben die Musik stellt, dann setzen Knauer/Landgrebe wohl den schönsten Baustein für die stetige Weiterentwicklung dieses Musikfestes mit Kultstatus.

Vielfältige Kooperationen

„Ein fröhlicher Beginn, und dann diese Wendung“, schildert Therese/Landgrebe ihre Gefühle für Komponist und Musik. Knauer vertieft die Stimmung mit jener entrückten ungarischen Melodie h-Moll D 817. Drei Impromptus aus D 899 sind für ihn fiebrige Bändigung einer untergründigen Hochspannung. Es mag der Nachklang der Worte sein, dass die dämonische Komponente zugunsten einer zugleich glücklich und traurig machenden Melancholie weicht.

Fein greifen Musik durch ein Solistenensemble der Wiener Symphoniker und Literatur auch bei zwei Szenen aus Arthur Schnitzlers „Anatol“ ineinander, dem „Abschiedssouper“ und „Hochzeitsmorgen“. Mit Schauspielern des Staatstheaters und der Regie von Krystyn Tuschhoff eröffnen sich Wege zu vielfältigen Kooperationen.

Bei „Goethe und Hummel“ werden Grenzen erreicht. Abgesetzt stehen die von Christian Quadflieg rezitierten Gedichte von „Aussöhnung“ bis „Wiederfinden“ neben der Musik des mit dem Dichter befreundeten Johann Nepomuk Hummel. Da gewinnt dann die Musik in Form des bezaubernden Doppelkonzerts für Klavier (Nogaeva), Violine (Tomasz Tomaszewski mit herber Tongebung) und Orchester (Capella Cracoviensis).

Spannend bleibt die Promenade auch in ihrer reinen Musikform. Nach dem Hummel-Konzert feiert die Capella Cracoviensis klingend den 200. Geburtstag von Mendelssohn-Bartholdy. Die elfenhafte Leichtigkeit der „Sommernachtstraum“-Ouvertüre zum Klingen zu bringen, ist vertrackt schwer. Unter Stanislaw Galonski schaffen das die Krakauer mit ihrer Bläserpräzision und den flirrenden Streichern jedoch spielend, dazu die „Italienische“ Sinfonie Nr. 4 in einer sehr straffen, im Finale geradezu rauschhaften Version.

Das auf historischen Instrumenten spielende Concilium musicum Wien huldigt der Wiener Klassik. Den Höhepunkt bilden zwei Sätze aus Mozarts Klarinettenquintett, von Ernst Schlader mit der Bassettklarinette in ganz langen Linien und wunderbar weichem Ton gespielt. Festlichen und virtuosen Bläserglanz demonstriert das Ensemble des Dresdener Trompeters Joachim Schäfer in barocken Arrangements für drei Piccolotrompeten, Pauken und Orgel.

Amüsante Pausen

„Blechschaden“ ist auch dann nicht zu verzeichnen, wenn das Ensemble sich so nennt. Mit voller Kraft und dennoch großer Klangkultur kennen die Bläser der Münchner Philharmoniker keine Berührungsängste mit Populärem zwischen Barock und Rock. Und Leiter Bob Ross macht mit sprühendem Humor auch die Pausen zu amüsanten Erlebnissen.

Langweilig wird es bei der Promenade nie.