Oldenburg - Das kleine und große Publikum im Oldenburgischen Staatstheater konnte sich wie jedes Jahr auf ein das Jahr beschließendes Familienkonzert mit festlichem Advents- und Weihnachtsbezug freuen. Und da ein Reformations-Gedenkjahr endet, war die erste Hälfte am Sonntag auch Martin Luther gewidmet, der auch ein begeisterter Musiker und Komponist, zudem ein beachtlicher Lautenspieler und begnadeter Tenor war. All das und noch viel mehr erfuhr das wissbegierige Publikum von Thomas Honickel, der gekonnt und stimmig moderierte und dirigierte.
Zwei Kantaten von Otto Nicolai auf Luther-Choräle, zwei Werkteile von Felix Mendelssohn-Bartholdy und die Szene der Geharnischten aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ zeigten die Kraft der Choräle Luthers, die in den bezeichneten Werken des „langen“ 19. Jahrhunderts aufgenommen wurden. Selbst in Mozarts „Zauberflöte“ schlich sich eine Choralmelodie ein, die vom Tenor Mykola Pavlenko und vom Bass Tomasz Wija eindrucksvoll gesungen wurde. Bei Mozart durfte natürlich nicht mitgesungen werden, bei Nicolai und Mendelssohn schon: Im Programmheft ließen sich Texte und Melodien finden, die das Publikum dann auch mit dem mitreißenden „KlangHelden Jugendchor“ und dem kompetent aufspielenden Staatsorchester mitsang.
Da ja die Familienkonzerte Freude und Belehrung gekonnt mischen, erfuhren die Hörer auch einiges über die gespielte Musik. So etwa zum Beginn des 4. Satzes von Mendelssohns „Reformationssinfonie“, dass das Choral-Thema zuerst von der Klarinette, dann nacheinander von den anderen Blasinstrumenten gespielt wird, um dann von allen gemeinsam noch einmal aufgegriffen zu werden. Das hätte Luther, der eine belehrende Ader hatte, gefallen.
Nach der Pause wurden Edvard Elgars „The Snow“ für vierstimmigen Chor und Orchester, fünf Carols zur Weihnachtszeit von John Rutter, der mit seinen langweiligen Zucker-Harmonien zum Superstar der zeitgenössischen Chormusik wurde, und eine stimmungsvolle Fantasie über Weihnachtslieder von Gustav Holst wiedergegeben. Der Chor erfreute mit frischen Stimmen, die Melodien waren eingängig. Zwischen den Carols von Rutter gab es volkstümliche Kunst: Weihnachtsgedichte wurden rezitiert. Und zum Schluss eines alle beglückenden Konzertes erklang die Schlussmusik aus dem Film „Der kleine Lord“.
Jetzt kann Weihnachten kommen.
