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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Für 42 Minuten auf dem Dach der Welt

19.01.2019

Oldenburg Londoner sind verstopfte Straßen, Staus und Sperrungen gewohnt. Das war vor 50 Jahren nicht anders, wenngleich nicht in dem Ausmaß von heute. Was sich allerdings am 30. Januar 1969 rund um die Saville Row im Stadtteil Mayfair tat, hatte die Welt noch nicht gehört.

Oben auf dem Dach von Apple Records spielten die Beatles ein Live-Konzert – zweieinhalb Jahre nach dem letzten Tournee-Auftritt 1966 im Candle-stick Park von San Francisco –, derweil unten der Verkehr zusammenbrach. Als „Rooftop Concert“ vor 50 Jahren sollte der 42-minütige Gig in die Geschichte eingehen.

War es die Unlust an der gemeinsamen Arbeit, die John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr während der Aufnahmen zum Album „Let it be“ aus dem Studio trieb? War es die frische Winterluft, die die starken Spannungen und persönlichen Anfeindungen innerhalb der Band vertreiben sollte? Oder war es doch einfach die Lust, die neue Musik der „Fab Four“ öffentlich zu Gehör zu bringen? Wahrscheinlich war es die Mischung aus allem.

„Das war einer der größten und aufregendsten Tage meines Lebens“, bekannte Alan Parsons, der als gerade mal 20 Jahre junger Toningenieur damals an den Aufnahmen zu „Get Back“ – so der Arbeitstitel – mitarbeitete und später selbst eine Weltkarriere als Popmusiker begann. „Die Beatles zu erleben, wie sie miteinander und den Mitarbeitern im Studio umgehen. Dazu fünf Kameras auf dem Dach, auf der anderen Straßenseite, das war schon unglaublich. Es war ein magischer Tag.“

Dokumentiert wurden die Aufnahmen zu „Let it be“ im gleichnamigen Film von Regisseur Michael Lindsay-Hogg, der die Bandmitglieder ungeschminkt als musikalische Genies und zugleich als streitende Sturköpfe zeigte. Nach ihren Meisterwerken „Sgt. Pepper’s“ und dem „White Album“ drängten die Musiker immer mehr nach Selbstverwirklichung. Für Spannung sorgte die Anwesenheit von Yoko Ono, die John nicht von der Seite wich und damit den anderen auf den Wecker ging. Zudem war George mächtig genervt von Pauls permanenter Gängelei und Kritik. Da konnte etwas Abwechslung nicht schaden.

Im Film ist dokumentiert, wie zur Mittagszeit Londoner Geschäftsleute und Angestellte aus den Büros auf den Straßen stehenblieben und nach oben starrten, ohne dort etwas entdecken zu können. Andere sahen aus den Fenstern der gegenüberliegenden Gebäude herüber oder kletterten sogar auf die Dächer. Die Möglichkeit, einen Blick auf diese unglaublich Szenerie zu werfen, war einfach zu verlockend und machte die Fans kreativ.

Die Beatles spielten in der Session, die vom verantwortlichen Ingenieur Glyn Johns aufgenommen und von der Versatzstücke ins Album eingebaut wurden, fünf Lieder, manche zwei- oder dreimal wie der Rocker „Get Back“. Als Gastmusiker war Billy Preston an der Orgel dabei. Auf der Platte sind zudem launige Ansagen und Moderationen von John und Paul zu hören.

Die Polizei bereitete dem Treiben ein Ende. Zwei Bobbys verschafften sich Zugang zum Dach des Apple-Hauptquartiers – die von den Beatles gegründete Firma hat übrigens nichts mit dem Computer-Konzern gemein. Dort oben ermahnten sie Mal Evans, Assistent der Beatles, die Musiker mögen doch leiser spielen. Allerdings lösten sie die Veranstaltung nicht auf. Dabei hatten sich die Beatles genau das erhofft. Daher schnitt Regisseur Lindsay-Hogg den Film später so, dass der Eindruck entsteht, der letzte Live-Auftritt der Beatles sei abgebrochen worden.

„Ich hoffte so sehr, die Polizisten würden mich von meinem Schlagzeug wegtragen“, meinte Ringo. John beendete das Konzert mit den Worten: „Ich möchte mich im Namen der Gruppe bedanken, und ich hoffe, wir haben das Vorspielen bestanden.“ Ein Seitenhieb auf die Ablehnung durch die Londoner Plattenfirma Decca im Januar 1962.

Die Session auf dem Dach im Januar 1969 war ein letzter Spaß für die erfolgreichste Popgruppe aller Zeiten. Der Selbstauflösungsmodus war weit vorangeschritten. „Let it be“ ist das zwölfte und letzte Studioalbum der Beatles, das am 8. Mai 1970 veröffentlicht wurde. Obwohl es zum größten Teil bereits vor dem Album „Abbey Road“ eingespielt worden war, erschien es erst danach – parallel zum gleichnamigen Film. Doch zu diesem Zeitpunkt existierte die Band nicht mehr.

Oliver Schulz Redakteur / Politikredaktion
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